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Nun hat Berlin, wie jede andere Stadt auch seine Originale. Es geht aber hier in meiner Heimatgeschichte nicht um Berlin im Ganzen, sondern um Köpenick.

Es gibt zwei Köpenicker Originale die jeder Deutsche kennt. Jeder weiß wer der Hauptmann von Köpenick ist, der ist inzwischen schon weltberühmt, und jeder kennt Bolle, den Berliner Meiereibesitzer Karl Bolle *1.9.1832 +28.9.1910

 

Hier auf dieser Seite hat ein ehemaliger Bolle-Junge erzählt wie es ihm bei Bolle ergangen ist.

http://www.moabitonline.de/

Sicher war es bei Bolle auch kein Zucker schlecken dort zu arbeiten, er verlangte Disziplin von seinen Angestellten. Verstöße wurden geahndet. Entweder musste, wenn jemand zu spät kam, oder einer seiner Jungen nicht die vollständige Uniform anhatte, oder nur eine Schürze fehlte, Strafarbeit leisten, oder eine Geldstrafe in eine Wohltätigkeitskasse einzahlen.

Carl Bolle versuchte sich um alle Belange selbst zu kümmern, und versuchte so ein gutes Betriebsklima herzustellen.

Begonnen hat alles 1897 , damals kaufte der 50.jährige Karl Bolle ein Grundstück in Moabit, in der Straße Alt-Moabit 103 23.000pm mit Park.

 

Dort lässt Bolle dann den Park roden und  ein Meiereigebäude mit Kesselanlage, und eine Werkstatt mit Stallgebäude bauen.

Es folgt der Bau eines Wohn-und Geschäftshauses 1889 bis 1891. In einen weitern Anbau befindet sich eine Kirche, die im Beisein der Kaiserin Auguste Viktoria eingeweiht wurde, sie wurde später zu einem Theater ungebaut.

1897 zog die Familie Bolle in den Marienhain nach Köpenick. Ihre Villa wurde abgerissen und ein neues Kesselhaus wurde gebaut.

 

Die Marienstraße heißt heute Wendenschlossstrasse.  Weitere Grundstückserwerbe vergrößern seinen Meiereibetrieb.

Er baute für seine Angestellten Wohnhäuser in denen noch heute Mieter wohnen.

Diese Zwei-oder Dreizimmerwohnungen sind räumlich sehr schön gebaut. Die Mieter haben statt eines Balkons  eine kleines Stück Garten vielleicht etwas mehr als 3x3 Meter.

Im angrenzenden Werkstattgebäude hat die Auto Firma Adler heute ihren Sitz.

Schon zu DDR Zeiten reparierte Adler dort Trabant’s und Wartburg’s.

Bolle war der Ansicht wer stundenlang umherfahren muss um zu seiner Arbeitstelle zu kommen verliert die Lust an seiner Arbeit. Deshalb wollte er dass seine Leute es nicht weit zur Arbeit haben und baute die roten Backsteinhäuser, so wie sie heute noch da stehen.

Zuerst hatte Bolle Pferdefuhrwerke, dann Elektrowagen und später LKW.

 

Wenn die Angestellten von Bolle mit dem Milchwagen die Straße lang fuhren hörte man überall Kindergeschrei.

„Bolle bimm bimm“. Die Jungen hatte eine blaue Uniform an, mit Deckelmützen  und Ledertaschen, sie schwangen fleißig die Bimmel die  man überall  hörte, so dauerte es auch nicht lange und die Frauen und Kinder holten sich ihre Milch. Die Jungen füllten die Milch in Blechkannen nahmen das Geld ein und erzählten dabei manch einen Witz, oder machten eine witzige Bemerkung. Viele Redewendungen sind noch von damals übrig geblieben.

„Ick hab mir wie Bolle uf’m Milchwagen amüsiert“

„Frech wie Bolle“ oder die „Milchmädchen-Rechnung“ stammt noch aus dieser Zeit.

Ein Milchmädchen aus dem Spreewald verrechnete sich immer. Bei Anna Schnasing stimmte nie die Kasse. Jeden Abend fehlte Geld in ihrer schwarzen Ledertasche. Eines Tages dachte sie sich ein Rechensystem mit ihren Fingern aus, von da an stimmte ihre Kasse immer.

Keiner konnte ihr System durchschauen es haute aber hin. Aber ein Privatdozent der jeden Morgen seine Milch kaufte kam dahinter. Anna Schnasing wurde dann sogar noch Directrice in der Meierei. Man kann auf vielen Wegen Kariere machen.

 

Bolle bezog seine Milch aus Brandenburg die per Bahn nach Berlin transportiert wurde. Durch Strichprobenanalysen wurde die Milch qualitativ erfasst.  Die für gut befundene Milch wurde filtriert und ab 1900 pasteurisiert. Die Milch wurde bis zum Verkauf mit Stangeneis  bei 2-4 Grad Celsius gekühlt.  Die restliche Milch wurde anderweitig verarbeitet. Zu Beispiel zu Butter, Buttermilch, Quark, Magermilch, Käse oder Milchzucker. Später kam noch Kefir und Joghurt dazu. Es gab „Milchchampagner“, ein schäumendes Mixgetränk, zur Linderung von Lungenerkrankungen. Durch Bolles Milch ließ auch die Kindersterblichkeit etwas nach.

Sei 1884 „erfand“ Bolle die „Kindermilch“, die besonders strengen hygienischen  Richtlinien unterlag. Als die Rohmilch nicht mehr dem gestiegenen Anspruch standhielt kaufte Bolle 1898 das Grundstück in Marienhain und hielt dort  selbst 150 Kühe, nach modernen hygienischen Standard .  Er erweiterte sein Warenangebot durch Eier, Honig, Obst und Gemüse.

 

 

1910 starb Carl Bolle hochgeehrt .  Er war zeitlebens ein engagierter Mensch.

Mangels Abitur blieb ihm die Laufbahn eines Theologen verwehrt. So setzte er sich für seine Arbeiter ein, ihre Belange waren ihm wirklich wichtig, dadurch blieben ihn seine Angestellten auch treu. Es gab so gut wie keine Fluktuation.

Sogar vom Kaiserpaar wurde dieser vorbildliche Betrieb 1889 besucht.

 

 

Seine Söhne führten das Geschäft weiter. 1917 kam es zur ersten Fusion mit der Meierei und Milchkuranstalt Schweizerhof, 1923 wurde die Charlottenburger Margarinefabrik „Marga“ übernommen. So kam eine Fusion nach der anderen zustande  und die Produktpalette erweiterte sich ständig Eiskrem und Schokolade, und Fruchtjogurt  und noch viel  mehr kam dazu.

Heute gibt es keine Meierrei Bolle mehr, auch kein Lebensmittelgeschäft Bolle gibt es mehr.

Durch viele Fusionen heißt es heute, nach der letzten Fusion 2000, Tuffi Campina Emzett Gmbh. Es gibt zwei Unternehmenssitze eins in Berlin und eins in Köln.

 

©christa dux

Quelle Internet

 

 



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