heimatgeschichten

Zurück

HEIMATGESCHICHTEN

 

Die Straßen in dieser Siedlung tragen alle Namen ehemaliger Fischerfamilien, Ratsherrn und Ratsreiter, deren Namen werden später noch erwähnt. Die Straßennamen schreibe ich in Klammern).

Vor dem  Zweiten Krieg hatten die Straßen Namen der deutschen Kaiser und Könige, der Hohenzollernplatz, Kaiser-Wilhlem-Straße oder Kaiserin-Auguste-Viktoria Straße.

Sogar die Nachkommen des bekanntesten  ermordeten Kommunisten, Ernst Thälmann,  wohnen in Köpenick. Als Kind musste ich, wenn ich zu meiner Freundin wollte, an dem Haus von Thälmanns Tochter vorbei. 1933 fand in Köpenick die so genannte Blutwoche statt, Kommunisten wurden verhaftet sofort umgebracht oder zum Tode verurteilt und dann umgebracht. Zum Gedenken an diese Opfer gibt es in Köpenick einen Platz des 23.April mit einem Mahnmal.

Es hat sich viel nach der Wende verändert. Wurden in Berlin viele Straßen wieder in ihren ursprünglichen Namen „zurückgetauft“, so hat sich in Köpenick kein Straßennamen bisher verändert. 

Fast jede Straße in Köpenick hat einen Namen von bestimmten Persönlichkeiten entweder von ehemaligen Honoratioren oder von Antifaschisten (Kommunisten) die in der Köpenicker Blutwoche hingerichtet worden, oder eben Namen von alten Fischerfamilien, Ratsherren und Ratsreiter. Ich schreibe die Straßennamen in Klammern daneben, weil fast alle diese Menschen in der Köpenicker Geschichte vorkommen.

Seit einigen Monaten hat sich bei uns in Köpenick die NPD Zentrale niedergelassen, was ich sehr bedaure. Und gerade in der Seelenbinderstraße haben sich die Neonazis einquartiert. Manchmal gibt es schon eigenartige Zufälle. In einer Straße die nach einen ermordeten Kommunisten benannt wurde,

Werner Seelenbinder, ein Ringer, den die Nazis zum Tode verurteilt haben, eröffnet wieder eine Nazi Zentrale. Diese Situation hat mich auf den Gedanken gebracht doch mal die Geschichte von Köpenick aufzuschreiben. Da ich aber nicht viel wusste, dass bisschen was wir in den ersten Schuljahren in Heimatkunde gelernt haben, habe ich schon vergessen. Deshalb musste ich mir Bücher besorgen.

Deshalb möchte ich allen Autoren und Verlage danksagen von denen ich stibitzt habe. Das große Müggelheim-Buch, Köpenicker Hefte, Kietzgeschichten von Köpenick und Treptow, Berliner Sagen, Unter Rotem und Schwarzen Adler, Köpenicker Abendblatt, Köpenicker Wochenblatt, Unterlagen des Heimatmuseum geschrieben vom Direktor des Heimatmuseums Claus-Dieter Sprink.

Aus seiner reichhaltigen Sammlung über die Stadtrandsiedlungen von Berlin durfte ich mir Texte und Fotos entnehmen, die Herr R. schon jahrelang zusammenträgt. Herzlichen Dank . Allerdings habe ich in keinen der Bücher etwas über Juden in Köpenick erfahren, deshalb bleibt dieses Thema, im Augenblick jedenfalls noch, außen vor. Ich bin dabei mir Unterlagen darüber zu besorgen und hole dieses Thema dann nach. Ich habe bei meiner Arbeit sehr viel erfahren was ich nicht wusste, und einiges was ich vergessen hatte viel mir beim Lesen der Bücher und Hefte wieder ein.

Köpenick liegt an der Dahme und genau gegenüber liegt Grünau. Mit der Fähre können wir nach Grünau rüber fahren, das ist einfacher als mit der Straßenbahn nach Grünau zu fahren.

In Grünau ist 1880 die erste offizielle Ruderregatta gefahren und 1881 wurde daraufhin der erste Regattaverein gegründet. Diese Regattastrecke wird noch heute benutzt und es werden noch immer Regatten in Grünau gefahren. Wenn Regattarennen gefahren werden können wir, im Sommer immer im Garten, die Geräusche der Bootsmotoren und die Durchsagen hören und  oft auch verstehen.

                                               ---------------------------------------------------

 

DER  HAUPTMANN  VON  KÖPENICK

 

 

ACKERBAU UND VIEHZUCHT IM KIETZER FELD

 

Die erste urkundliche Erwähnung des Kietzer Feldes entstammt aus dem Jahre 1516 als Kurfürst Joachim I das „Amt Köpenick“ verpfändete und in diesem Zusammenhang, das damals noch bewaldete Kietzer Feld als Nutzfläche auswies.

Hier wurde das Vieh von Köpenick zum weiden gebracht und Ackerbau und Viehzucht getrieben.

Die erste Postenlinie  Köpenick wurde zwischen 1711 und 1712 eingerichtet. Von Berlin ging die Postenlinie über die heutige Friedrichshagener Straße, Rahnsdorfer Mühle, Erkner Fürstenwalde, nach Frankfurt Oder. Wie lange man  wohl dazu brauchte, sicherlich nicht nur einen Tag. Die Straßen waren, wenn überhaupt, schlecht oder gar nicht gepflastert, so musste man über Feld und Waldwege fahren. Unterwegs lauerten viele Gefahren Raubritter und Diebe raubten Mensch und Kutsche aus. Man war sämtlichen Wettereinflüssen ziemlich ausgeliefert. Wenn auch die Kutsche vielleicht etwas Schutz  bei Regen oder Schnee bot,  so weichten  doch die Sandwege auf und ein vorwärts kommen war oft nicht möglich.

Von Schönefeld nach Berlin brauchte man noch 1932 ein Tag mit einem Dreigespann, da kann sich jeder denken das es nach Frankfurt Oder 1712 etwas länger gedauert hat.

1801 gehörte der überwiegende Teil des etwa 200 Hektar großen Gelände des Kietzer Feldes  14 Ackerbürgern, die ausschließlich Landwirtschaft betrieben.

 

Große Schwierigkeiten bereitete den Ackerbürgern dabei regelmäßig das so genannte „Frühjahrs - und Herbstwassers“, das weite Teile des Landes überschwemmte. In dieser Zeit konnte man im Bereich der heutigen „Neuen Wiesen“ tatsächlich mit flachen Kähnen vom Langen See zum Müggelsee staken. Abhilfe wurde erst mit der Anlage des Kuhgrabens  (Neue Wiesen Graben)1895 geschaffen.

Damals wurden im Zeitraum eines Jahres 3432 Stück Rindvieh, 741 Pferde und 15770 Schafe auf die Weiden getrieben.  Seine Weideplätze im Kietzer Feld erreichte das Vieh über besondere Triebwerke, die Triften. Die Grüne Trift, die Große Trift (heute Müggelheimerstraße) und die Kleine Trift (heute Landjägerstraße) Eine Besonderheit stellte das östlich des Kietz gelegene „Gehege“, die heutige Gartenstraße, dar. Zum Leidwesen der dortigen Bewohner wurde auch dort Vieh getrieben. Um Schaden von Haus und Hof abzuwehren, errichteten die Anlieger starke Rutenzäune, mit denen sie sich regelrecht „einhegten“. Jede Viehart hatte ihren besonderen Hirten, der in einem von der Stadt zur Verfügung gestellten Hirtenhaus wohnen durfte.

 

1815 parzellierte der Landvermesser Elckner (Elcknerplatz) das Kietzer Feld. Begrenzt wurde diese Fläche durch die Dahme, im Osten durch den „Eichbusch“ und die „Bestlake“ sowie im Süden durch die „Eichhorn Heide“. Die Verbindung  dorthin war damals noch mit einer Pferdebahn.

Bis 1845 befand sich in der Kietzer Vorstadt zwischen Luisenhain-und Charlottenstraße  der so genannte „Chariteacker“ auf dem die Berliner Charite¢ bis 1845 amputierte Gliedmaßen bestatten ließ. Um dem Ausdehungsbedürfnis der Stadt die nötigen Räume zu verschaffen, bemühte sich der Köpenicker Magistrat auch um den Ankauf dieser Fläche. Im Jahre 1877 verkaufte die Charite¢ schließlich das über 30 Morgen große Gelände und machte den Weg für die ersten großflächigen Parzellierungs- und Bebauungspläne des Gebietes frei. Nur drei Jahre später begann die rasante Entwicklung der heutigen Kietzer Vorstadt, die mit ihrer Einwohnerzahl in wenigen Jahren die immer enger werdende Altstadt rasch überrollte. Auf dem Gelände des Chariteackers entstand die Wagenhalle für das von Hugo Kinzer projektierte Straßenbahndepot. Was es heute noch ist, der Straßenbahnhof von Köpenick. (Kinzerallee)

Im Zuge der Gründerzeitexpansion Berlins nach 1871 wurden die stadtnahen Flächen  als Bauland ausgewiesen. Damit verloren auch die jahrhundertealten Agrargebiete im Kietzer Feld zunehmend an Bedeutung. Gebaut wurde allerdings noch lange nicht im Kietzer Feld, ein paar Gärten entstanden in der Grünen Trift mit kleinen Lauben. Dort erholten sich Köpenicker und Berliner am Wochenende.

 

Es siedelten sich insbesondere am Dahmeufer kleinere und mittlere Industrieunternehmungen in Köpenick an. Moderate Bodenpreise lösten einen regelrechten Industrieboom aus, der Hunderte Arbeiter anzog und sie in Brot und Lohn brachte.

1826 wurde in der damaligen Marienstraße, heute Wendenschlossstrasse, eine kleine chemische Fabrik durch den Berliner Fabrikanten C.Fr.Krüger errichtet.  1827 wurde eine Papierfabrik eröffnet.

Etwas später wurde die erste Dampfmaschine in Betrieb gesetzt.

 1869 gründete der aus Lieberose stammende Glasfabrikant Ludwig Wolf  am Dahmeufer, heute Segewaldweg, die Glasfabrik „Marienhütte“ zur Produktion von Hohlglas.  Zur umfangreichen Lieferpalette,  der bis Oktober 1932 produzierenden Firma, gehörte vornehmlich billiges Gebrauchglas Massenware, die vor allem in Arbeiterhaushalten, aber auch in Ausflugsgaststätten Verwendung fand.

1873 eröffnete der aus Wedding kommende Heinrich Dopp in der Charlottenstraße die  „Fabrik für grobe Eisenwaren . Hier wurde Hufeisen hergestellt jährlich etwa 30 000 Stück. Auf dem Gebiet des späteren Funkwerk Köpenick entstand ein Linoleum-Korkteppichwerk. In Jahre 1930 wurde die Firma gelöscht und die „Gesellschaft für elektroakustische und mechanische Apparate mbH. „GEMA“ übernahm die Fläche.

„Ick hab mir wie Bolle uff’n Milchwagen amüsiert“  oder.....“und dennoch hat sich Bolle ganz köstlich amüsiert.“ Redensarten die es noch heute gibt. Carl Bolle kaufte 1872 ein Gelände in der Marienstraße (heute Wendenschlossstraße)  das bis zu Dahme hinunter reichte. Über 35.000 Quadratmeter für den Betrieb seiner Meierei  und Obstplantagen kaufte er auf. Bolle ließ rote Backsteinhäuser für seine Angestellten bauen. Carl Bolle war ein guter Arbeitgeber, er wollte seine Angestellen lange Wege und Fahrten ersparen, deshalb ließ er Häuser für die Angestellten bauen damit die Familienväter bald nach Feierabend bei ihren Familien sein konnten und nicht erst Stundenlang durch Berlin fahren müssen. Ein gutes Arbeitsklima  und Freude an der Arbeit war ihm immer wichtig. Diese Großzügig gebauten Häuser, mit kleinen Gärten, werden noch heute gerne  bewohnt.

„Bolle-Wagen“ die täglich durch Köpenick und Berlin fuhren, und sich  mit ihrer großen Glocke ankündigten, verkauften für ein paar Pfennig Milch und Butter.

1911 starb Carl Bolle dann führte die Aktiengesellschaft  C. Bolle die Tradition des Firmengründers fort. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde das Gelände aufgegeben. Seit 1959 hat die Liegenschaft  das Institut für Zierpflanzenbau der Humboldt- Universität genutzt. Für die Köpenicker ist es allerdings  immer noch der „Bollehof“.

Die Norddeutsche Eiswerke Aktiengesellschaft  verlagerte  1875 einen Teil ihrer am Rummelsberger See gelegenen Fabrik auf das Gelände neben der Bolle Meierei und belieferte fortan Gaststätten und Privathaushalte  mit Kunst bzw. Natureis.

Mit der Befestigung der Marienstraße  1890/91  entstanden 1892  in der Eichhorn-Heide Villen. 

1900 begann man mit der Verlegung von Straßenbahnschienen und ab 1903 fuhr dann die Straßenbahn mit der Linie 1 vom Villenviertel Wendenschloss nach dem Bahnhof –Köpenick der 1842 wurde der Bahnhof Köpenick eröffnet. Köpenick war nun an die Eisenbahnlinie Berlin- Frankfurt angeschlossen.

Im Jahre 1917 kaufte Friedrich Sasse das Gelände der Eisfabrik und baute die Eisfabrik zu einer Werft um. Die Yachtwerft war die größte Boots- Werft in Ostberlin. Sie baute und verkaufte Boote unter dem Namen VEB Yachtwerft Köpenick.

Bis zum Ersten Weltkrieg 1914 bis 1918 fühlten man sich im Kaiserreich wohl. Die Menschen hatten ein Gefühl der Geborgenheit. Die Standesunterschiede wurden nicht so sehr als störend empfunden. Den Menschen ging es gut und ein Hauch von Wohlstand kam auf. So habe ich es in einem Buch gelesen in dem Menschen aus ihrem Leben im Kaiserreich schrieben. Alle Autoren schrieben das gleiche, sie fühlten sich im Kaiserreich geboren und wohl. Anders wurde es dann im Ersten Weltkrieg. Es fand zwar keine Zerstörung der Städte statt, wie im zweiten Weltkrieg, aber man hat mehr gehungert. Es gab kaum noch Lebensmittel und die Bevölkerung hungerte regelrecht. Es kam zu dem bekannten Steckrüben Winter, wo außer Steckrüben kaum etwas anderes zu essen gab.

 Kinder sollten um Schuhsohlen zu sparen Barfuß laufen. So etwas erzählte mir auch mein Großonkel. Im Winter lief man mit Holzpantinen. Kaiser Wilhelms „Umzug“ nach Holland wurde von der Bevölkerung als Verrat empfunden. Ganz besonders von den Soldaten die für ihren Kaiser in den Krieg zogen, und die sich nun im Stichgelassen fühlten. Für wen hatte die Bevölkerung gehungert, ihre Ersparnisse als Kriegsanleihe aufgeben und den Verlust von Männer und Söhnen hingenommen, doch nur für den Kaiser!  Die  Weimarer Republik wurde 1918 gegründet.

 

Die Nachfolgenden Jahre, die Goldenen Zwanziger, waren alles andere als rosig. 1920 wurde Köpenick in Berlin eingemeindet. 1928 wurde der elektrische S-Bahnbetrieb aufgenommen und erst 1930 erhielt Köpenick seinen heutigen Namen. Bisher hieß es Coepenick .  Die nun schon seit 1871 als Bauland angewiesenen Flächen des Kietzer Feldes  wurden ab 1931 bebaut. Eine Siedlung von Arbeitslosen  für Arbeitslose wurde errichtet. Man baute sich selbst sein Haus nach einem Musterhaus. Nach Fertigstellung der Siedlung 1932 wurden die Häuser verlost. Jeder zog eine Hausnummer und wusste nun wo er einziehen kann. Die Häuser konnten mit einen Erbzinsvertrag gekauft werden.

Nach dem Erlass des so genannten „Luftschutzgesetzes“ am 26.6.1935 wurden im Anschluss an die zivile Bautätigkeit vier Flachbunker errichtet, die während der Bombenangriffe bis zu 2400 Personen Schutz boten. Es gab noch einen Hochbunker auf dem Gelände steht heute das Ärztehaus, in diesem Bunker war auch eine Entbindungsstation.

Eine  Reihenhaussiedlung wurde bis 1936 fertig gestellt.

Aber noch war lange nicht alles bebaut es gab immer noch viel Feld und am  noch freien Kietzer Feld stand eine  Flak die feindliche Flugzeuge abschoss. Ein Bomber und ein Kleinflugzeug wurden abgeschossen und fielen auf die Häuser. Luftminen und Bomben zerstörten oder beschädigten fast jedes Haus in der Siedlung. Die erste Luftmine in Köpenick ist in der Karlstraße herunter gekommen. Zum Ende des Krieges wurden Lebenszeichen verschickt. Jeder konnte in ein paar netten kurzen Worten seinen Familienangehörigen im Feld mitteilen, wie es Zuhause aussieht. In der Massenhysterie während der letzten Kriegstage schieden im Bunker ganze Familien freiwillig aus dem Leben.

Am 23.4.1945 wurde Köpenick von sowjetischen Truppen besetzt. Die russischen Offiziere besetzten viele Häuser in der Siedlung. Den Menschen ging es nicht anders wie Millionen anderer Menschen nach dem Krieg. Hunger, Krankheit und Tod war Gast im Haus. Viele Kinder starben damals und wurden im Garten begraben. Wer Geld hatte konnte einen Sarg bestellen wer nicht vergrub sein Kind so im Garten. Die Bunker wurden 1945 gesprengt.

Berlin wurde in vier Sektoren aufgeteilt, Köpenick gehörte zum sowjetischen Sektor und dementsprechend ging der Aufbau auch langsamer voran. Die sowjetischen Truppen hatten zunächst mit der Demontage der Betriebe zu tun. Fast sämtliche Maschinen wurden abgebaut und zerstört. Industrie und Fortschritt solle in Deutschland nicht mehr stattfinden.

1949 wurde die Deutsche Demokratische Republik gegründet und die noch nicht demontierten Fabriken und Betriebe wurden in Volkseigene Betriebe umgewandelt.

Die GEMA wurde VEB Funkwerk Köpenick, die Yachtwerft wurde ebenso VEB wie die vielen anderen Betriebe auch. Im August 1958 wurde das Gebiet zwischen Lienhardweg und Dregerhoffstraße vom Ostberliner Magistrat zum „Aufbaugebiet“ erklärt. Hier entstand nun die grösste Neubausiedlung Ostberlins. Der geplante Bus, die Post und die Schwimmhalle wurden gestrichen. Aber die Straßenbahn fuhr ja und war leicht zu erreichen. Die Linie 83 (heute 62) fährt von Wendenschloss zum Bahnhof-Köpenick.

Noch heute wohnen die Leute die damals einzogen hier. Neue Familien kommen hinzu und lässt diese Wohngegend nicht veralten. Die Häuser sind alle saniert worden und gehören zum Teil der KÖWOG (Köpenicker Wohnungsbaugesellschaft) und zum Teil Wohnungsbaugenossenschaft (früher AWG Arbeiter-Wohnungs-Genossenschaft). Hier entstanden nach der Wende auf dem Platz der ehemaligen Yachtwerft Neubauten die bis zur Dahme hinunter reichen. In der Wendenschlossstraße entstand ein Blumenladen, ein Kaiser’s, eine kleine chemische Reinigung, eine kleine Postfiliale, Apotheke, Friseur und Ärztehaus. In der näheren Umgebung gibt es noch drei andere Supermärkte. Alles was der Mensch braucht ist hier in einer Straße untergebracht. Die ehemalige Kaufhalle ist ein Gaststätte geworden mit Billard und Darts. Die Yachtwerft ist allerdings eingeschrumpft, verkauft aber noch Boote wie früher. Das Funkwerk Köpenick gibt es nicht mehr und alle anderen Betriebe die es Köpenick und Oberschöneweide gab sind weg. Von der ehemaligen Industrie ist nichts übrig geblieben. Köpenick hat weiterhin viel Wald, Wasser und viele leere Wohnungen in die keiner einziehen kann da sie zu teuer sind. Viel Arbeitsplätze hat Köpenick nicht mehr zu bieten. Aber Köpenick ist nach wie vor ein Ausflugsgebiet die GRÜNE LUNGE VON BERLIN  genannt.

Zum heutigen Bezirk Köpenick gehören noch andere Stadtteile wie zum Beispiel Oberschöneweide, Friedrichshagen, Wilhelmshagen, Hirschgarten, Rahnsdorf oder Müggelheim. Köpenick hat eine Dampferanlegestelle im Luisenhain gegenüber vom Köpenicker Rathaus. Der Luisenhain wurde 1906 angelegt, als Schmuckplatz, zum Gedenken der Luise Asseburg. Otto Asseburg *1836 +1915 hat der Stadt Köpenick eine Schenkung übergeben. Diese Schenkung war mit einer Auflage verbunden,

„Zur Ehrung meiner in Gott ruhenden Schwester Luise Asseburg ist ein Schmuckplatz anzulegen.“

Das tat man mit der Errichtung des Luisenhains 1906 genau dem Köpenicker Rathaus gegenüber.

Die Witwe  Maria Asseburg vermachte 1915 diese Stiftung wohltätige Zwecke.

 

                        -------------------------------------------------------------------

 

 

DIE STADT COEPENICK

 

Brandenburg und Berlin war einst sehr bewaldet und nicht dicht besiedelt. Im 7 und 8 Jahrhundert siedelten sich dem Lauf der Spree folgend die Zpriauwani – Spreeleute oder auch Spreewanen genannt. Später nannte man sie auch die Wenden. Diese Zpriauwani waren Polen deren Fürsten aus dem Geschlecht der Piasten hervorgingen. Die Piasten waren das älteste polnische Adelsgeschlecht. Diese Siedler siedelten sich um die Burg der heutigen Schlossinsel. Diese Burg war ein wichtiger Punkt in der Handelsstraße zwischen Magdeburg und Poznan (Posen). Über diese „via vetus“ lief der Handel und Wandel der damaligen Zeit. Die Grenze der Wenden war in Istralowe heute Stralau die dortige Burg war die westliche Befestigung des Fürstentum mit der Hauptstadt Copnick. Copnick heißt auf Slawisch so viel wie hügliges Land oder Erhebung. Diese Erhebung sind die Müggelberge. Im 12 Jahrhundert begann dann die Eroberung der slawischen Herrschaftsgebiete durch deutsche Fürsten.

1150 starb der letzte slawische Fürst  Pribislaw Brennabor (Brandenburg) kinderlos. Seine Witwe, eine Askanierin, übergab das Fürstentum ihren Neffen Albrecht *1100 +1170 genannt Albrecht der Bär.  Nun besaßen die Askanier das Gebiet der Wenden und dazu noch die schon eroberten Gebiete der Haveller. (Havelland) Wie es aber oft im Leben ist, meldete  sich ein Verwandter von Pribislaw, aus einer Nebenlinie der Piasten, der das Land nicht den Deutschen überlassen wollte. Der Slawenfürst

Janka (Jaxa oder Jaca) von Copnick erklärte Albrecht den Bären kurzerhand den Krieg. Er eroberte Brandenburg und verstand die Wachen der Burg zu bestechen. So konnte er durch einen Handstreich die Burg erobern und seinen Widersacher zunächst verjagen. Jaxa residierte in der Burg Copnick was Münzfunde belegen. Albrecht der Bär wollte sich aber nicht geschlagen geben und suchte sich Bundesgenossen zum Kampf. Mit Hilfe des Magdeburger Bischofs Wichmann gelang es Albrecht seine Burg und Stadt wieder zurückzuerobern. Um zu zeigen wer nun hier das Sagen hat nannte er sich fortan Markgraf von Brandenburg.  Über den geschlagenen Jaxa gibt es eine Sage.

<Jaxa von Copnick hatte die Schlacht  gegen die Deutschen verloren und befand sich allein auf der Flucht. Schon glaubte er, seinen Verfolgern entkommen zu sein, als er merkte, dass er auf eine Landzunge geraten war. Die Havel hatte sich durch Hochwasser in einen reißenden Strom verwandelt, und ringsum schlugen die Wellen ans Ufer. Hinter sich hörte Jaxa bereits die Freudenrufe der Deutschen: “Nun haben wir ihn im Sack“!, weshalb die Landzunge auch heute noch „DER SACK“ heißt. Mit einem Hilferuf an den Gott Triglaw gab er seinen Pferd die Sporen und stürzte sich in den aufgewühlten Fluss. Kurz vor dem absaufen rief er den  Christengott an und versprach, ihm für immer anzugehören, wenn er ihn aus der Not retten würde. Und siehe da es klappte. Jaxa hatte eine Ausbuchtung des andren Ufers erreicht und war seinen Verfolgern entkommen. Voll Dankbarkeit hängte er Schild und Horn an einen Kiefernstamm auf. Seitdem heißt diese Halbinsel Schildhorn>.

Die Slawen die nun Albrecht dem Bären weichen mussten wurden jedoch nicht vertrieben. Sie siedelten sich in unmittelbarer Nähe am Wasser der Dahme an. Sie verrichteten Frondienste für deutsche Burgvögte und lebten vom Fischfang. Es entstand die Fischersiedlung Kietz, deren Fischerhäuser heute noch dort stehen.  1200 wurde die Burg niedergebrannt und durch eine Festung der Askanier ersetzt. 1209 wurde Copanick zum ersten Mal in einer Schrift von Konrad II erwähnt. Wie Köpenick zu seinem Namen kam erzählt eine Sage:

<Ein Fischer fing im Müggelsee einmal einen großen Krebs. Der konnte sprechen und der Krebs versprach dem Fischer ihn zu einen reichen Mann zu machen, wenn er, der Fischer, ihm versprach in nur jenseits der Spree zu verkaufen. Der Fischer versprach es, vergaß es aber wieder als ein Koch auf dem Markt den großen Krebs kaufen wollte. Der Koch kaufte den Krebs vom Fischer und der Krebs begann zu rufen „köp nich, köp nicht!“ Der Käufer lief erschrocken davon. Nun ruderte der Fischer mit seinem Boot und dem Krebs nach Stralau, wo er das Schalentier für so viel Geld verkaufte dass er ein reicher Mann wurde. >

Die beiden askanischen Fürsten Johann und Otto III., zwei Brüder, errichteten eine neue Burg. Im Schutze dieser Burg entwickelte sich ein reges Leben. Es kam zu neuen Ansiedlungen und der spätere Stadtkern entwickelte sich.  Und wieder  gab es einen kinderlosen Fürsten. Der letzte Askanierfürst Waldemar  der kinderlos starb. Es gab zwar einen Erben „Heinrich das Kind“ aber auch er starb nur ein Jahr später. Nun begann die Wirtschaft zu stagnieren und Raubritter machten die Gegend unsicher. Fremde Fürsten eigneten sich Gebiet der Askanier an und um sich noch etwas mehr zu bereichern plünderten sie alles aus was ihnen über den Weg lief.  Inzwischen erinnerten sich die Menschen gerne an die Zeit wo die Askanierfürsten regierten. Die Städte schlossen sich zu Städtebunden zusammen und konnten sich so gegen die „Räuber“ besser wehren. Dort hatte man noch etwas Schutz. Kaiser Ludwig der Bayer verlieh seinem Sohn Ludwig die Mark Brandenburg als erledigtes Lehen. Ludwig allerdings kümmerte es wenig wie es dort aussah. Er kümmerte sich um Wittelsbacher Angelegenheit, die Mark Brandenburg war ihm ziemlich egal. Das Land verkam nun immer mehr, wurde beraubt und gebrandschatzt. Durch die Wittelsbacher kam keine Bindung zur Mark Brandenburg zu Stande, deshalb kaufte Kaiser IV. im Jahre 1373 den Wittelsbachern alle Rechte an die Mark Brandenburg für eine halbe Million Gulden ab. Kaiser Karl IV war ein gewissenhafter Mann und ließ sofort Landbücher anfertigen. In diesen Landbüchern wurden alle Besitzverhältnisse von Land und Leute eingetragen. Es gab, so konnte festgestellt werden, 1375 drei mittelalterliche Fischersiedlungen  1. Das Fischerdorf Kietz  2.Das Fischerdorf Rahnsdorf und 3.Das Fischerdorf Schmöckwitz.  Es gab 72 große Städte, 51 Kleinstädte, Burgen und Burgsiedlungen deren Adelsgeschlechter in der Prignitz, so auch die Quitzows, und Umgebung wohnten.  Der Kaiser besuchte selbst sein Land und stelle fest das viele Burgen und Schlösser in der Hand des Adels waren, ihm also nicht gehörten. Der Kaiser vermachte die Mark Brandenburg seinen Nachkommen, freilich mit dem Gedanken sie würden sich auch weiterhin um das Land kümmern. Aber diese regierten noch uninteressierter als die Wittelsbacher und betrachteten Brandenburg als melkende Kuh. Gegen Ende des 14.Jahrhunderts war es unter ihnen verteilt, verkauft und vergeben . Die stärksten Adelsfamilien hatten nun die Herrschaft übernommen. Ungesetzliche Zolleinnahmen und Tributgelder wurden erhoben. Besonders grausam traten die Quitzow dabei hervor. Der römisch-deutsche Kaiser   Sigismund aus dem Haus Luxemburg  setzte 1411 den Burggrafen Friedrich IV.von Nürnberg , aus der fränkischen Linie der Hohenzollern, zum erblichen Stadthalter von der Mark Brandenburg ein.  Friedrich *1372 + 1440 er wurde mit allen Regierungsrechten eines Markgrafen ausgestattet.  Am 30.4.1415 bekam Friedrich IV. von Hohenzollern seine Bestallungsurkunde vom römisch-deutschen Kaiser Sigismund.

<Er soll mit seiner Arbeit, Mühe die Macht in der Mark Brandenburg , die leider seit langer Zeit durch Krieg und anderer Ursachen schwer verfallen und ins Verderben gekommen, wieder aufbringen.>

Das war nun aber  mehr gesagt als getan. Friedrich stand fast gegen den gesamten Adel die ihre Macht nicht hergeben wollten.  Johann und Dietrich Quitzow, Söhne des einfachen Ritters Cuno von Quitzow auf Quitzhöfel, konnten in  Mecklenburg ihre Rauflust nicht frei entfalten. Sie entschlossen sich deshalb in die verwahrloste  Mark Brandenburg zu ziehen.  Sie heirateten in die angesehensten Familien der Mark Brandenburg ein. Bald waren sie die absoluten Herrscher des Landes und konnten ihrer Willkür freien Lauf lassen. Zu dieser Zeit war die Familie Minkwitz (Minkwitzweg) eine der einflussreichsten  brandenburgischen Adelsfamilie. Nickel von Minkwitz war 1406 Burghauptmann als die Köpenicker Burg von den Quitzows eingenommen wurde.  Von hier aus unternehmen sie ihre wilden Streifzüge durch Berlin und Brandenburg.

Nun kam es auch noch zu Grenzstreitigkeiten mit den Berlinern, die von Dietrich von Quitzow provoziert wurden.  Entweder hat angeblich  ein Berliner in Coepnicker Gewässer gefischt, oder ein andermal sollte ein Feldarbeiter über die Grenzgräben oder auf verbotenen Wegen gelaufen sein.  Wege von denen der Herr eines Gebietes nicht wünschte , dass sie von Fremden benutzt würden, mussten mit einer so genannten Wiepe gekennzeichnet werden. Das war eine Stange mit einem Strohwisch, die an der Stelle, wo der verbotene Weg abzweigte , aufgepflanzt werden musste.  Quitzow ließ nun durch seine Knechte die Wiepen entfernen wenn ein Berliner Bürger in den altbekannten Weg einbiegen wollte, und ließ hinter seinem Rücke die Wiepen wieder einpflanzen.  Den „Sünder“ warf er in den Kerker, der vergebens beteuerte keine Wiepe gesehen zu haben. Der Rat versuchte nun solche Streitfälle gütlich zu lösen, was bei den Quitzows natürlich verlorene Liebesmüh war. 1410 fiel dann Dietrich von Quitzow, ohne vorher eine Fehde anzusagen, was als äußerst unehrenhaft galt, mit seinen Kumpanen über Berliner Vieherden her deren Hirten er verjagte oder erschlug und trieb die Tiere nach Burg Bütow, dem heutigen Oranienburg.  Ab 1415 begann  der Kampf Friedrich I gegen die Quitzow die sich nicht einschüchtern ließen. Noch spukten die Quitzows große Töne.

<Was will der Fremdling in unserer Mark? Wir können den Nürnberger Tand hier zu Lande nicht gebrauchen! Und wenn’s ein Jahr hindurch Markgrafen von Nürnberg regnete, wie ließen sie nicht  aufkommen.>

Das was nun aber kein Nürnberger Tand, wie die Quitzows verächtlich sagten, als der Kampf mit Friedrich I begann. Friedrich benutzte für seinen Kampf ein neues Geschütz, genannt „Die Faule Grete“. Dieses neuartige Geschütz hatte in den Pullverladungen Steinkugeln. Diese Bombarden  zerschlugen das Mauerwerk der Burgen.  Voll Begeisterung schmolzen die Berliner Bürger die Glocken der Marienkirche zu Kanonen um.  

Gezwungenermaßen kam es kurz zwischen den Quitzows und Friedrich I zu einem Kompromiss. Zu viele ehemalige Freunde der Quitzow wechselten in das Lager des Hohenzollern über.

Der Köpenicker Ratsherr Jürgen von Berlewitz (Berlewitzweg)  überbrachte dem Burggrafen die Botschaft des märkischen Besitzanspruches der Burg und der Stadt Coepnick. Quitzow gab aber außer der Burg Köpenick keine weitere bedeutende Burg oder Stadt zurück.

1414 wurde aber der Hass gegen den Markgrafen wieder zu groß und erneute Kämpfe begannen.  Nun wurde die Faule Grete wieder  von Einsatzort zu Einsatzort geschoben, der Bauer der die huldvolle Aufgabe hatte dieses Artilleriegeschütz  durch die Gegend schieben  zu müssen, nannte es die faule Grete.

Friedrich I. konnte nun mit diesem Geschütz das für unüberwindliche gehaltene Quitzow-Schloss in Plaue an der Havel, mit seinen 14 Fuß, mindestens dreieinhalb Meter dicken Mauern bis auf die Grundmauern niederschmettern.  Die Macht der Quitzows wurde zwar gebrochen, aber das Raubritterwesen hörte nie ganz auf. Der zeitgenössische Chronist Engelbert von Wusterlitz aus Brandenburg berichtet:

<Im Jahre 1417 ist Dietrich von Quitzow , so der Mark Brandenburg mancherlei Schaden zugefügt und sie heftig Beleidigt hat, in dem der Familie Verltheim zuständigen Schlosse Harpke gestorben.

Johann von Quitzow brauchte nur zwei Jahre in Gefangenschaft auf dem Schlosse zu Calbe, und nicht etwa in den Kerker, zuzubringen. Dann machte er mit dem Kurfürsten seinen Frieden und konnte, neu belehnt mit seinen Gütern, in die Prignitz zurückkehren.>

Nach diesen Erfolgen gab der Kaiser  Sigismund die bisher noch für sein Haus, zurückgehaltene Kurwürde nun doch dem Markgrafen Friedrich I von Brandenburg. Am 21. Oktober 1415 huldigten ihn die brandenburgischen Stände auf einen Landtag zu Berlin. Die förmliche Kurwürde vollzog der Kaiser am 18. April 1417.  Der Burghauptmann Otto Lossow  (Lossowweg) stand Friedrich I unter.

1425 erhielten die Kietzer Fischer das ewige Fischereirecht, im gleichen Jahr wurden die Grenzen der Gemeinde festgelegt. Kurfürst Friedrich I. erteilte Coepnick das Recht jeden Montag ein Wochenmarkt durchzuführen. Einmal im Jahr jeweils am 16. Oktober durfte ein Jahrmarkt abgehalten werden.

Und 1451 erhielten die Köpenicker Fischer das Recht, die Gewässer eigenständig zu befischen und die Seen zu pachten. Alljährlich wurden die Fischfanggebiete neu abgesteckt, und der „Grenzenzug“ gestaltete sich jedes Mal zu einem wahren Volksfest. Dieser Brauch diente gleichzeitig dazu, alle Grenzstreitigkeiten zu Wasser und zu Lande zu bereinigen. Die Chronik sagt:

<Am Abend des Festtages hatten die Köpenicker Fischer sieben Tonnen Bier und Fisch für alle zu stiften, ähnlich wie beim Stralauer Fischzug. > Dieses beliebte Volksfest wurde seit dem 24. August 1374 gefeiert, immer am Bartholomäustag. Ursprünglich begingen es die Fischer als den Tag, an dem sie nach Beendigung der Schonzeit wieder auf Fang fahren konnten.

Diese Volksfest wurde später verboten und ein Ersatz wurde der Köpenicker Sommer der jährlich seit 1961 gefeiert wird. Der Brassenzug fand im Sommer  und Winter eines jeden Jahres statt. Die Fischer legten im Winter ihre Netze unter dem Eis aus und fingen die Brassen, die hinterher verkauft wurden.

Die Menschen kamen und sahen den Fischern beim Fischfang zu kauften den frischen Fisch und aßen in der Ausflugsgaststätte Rübezahl Fischsuppe. Nach getaner Arbeit saßen die Fischer zusammen und aßen den gefangenen Fisch  der vom Koch schmackhaft zubereitet wurde. Die Boote der Fischer hatten bis 1928 noch keinen Motor, es musste deshalb fleißig gerudert werden. Einige Fischerfamilien die in den Landbüchern (oder Kirchenbüchern) eingetragen wurden sind Finkelde (Finkeldeweg) , Finkeldey der 1560  Dorfschulze war. Die Familien Fehle, Stahn, Köppen und Funkel. (Fehleweg-Stahnweg-Köpenzeile-Funkelgang.) Der Fischer Pristabler  (Pristabelstraße) war der Aufseher der Fischer und Christian Funkel war 1562 Dorfschulze und 1577 war Martin Köppen Dorfschulze. Viele Nachfahren dieser Fischerfamilien wohnen noch heute hier.

Der ehemalige Fischer Finkelde erzählt im Buch „Kietzgeschichten“ von 1999.

<Jedes Jahr am ersten Montag  im Juli, hatten die Fischer aus dem Köpenicker Kietz ihre vergnügliche Dampferfahrt. Wir fuhren abwechselnd nach Schmöckwitz ins Waldidyll oder nach Neu-Hellgoland. Dort  spielte die Kapelle Erich Laaske. Am späten Abend brachte uns der Dampfer wieder zurück. Diese Dampferfahrten fanden bis 1960 statt.

Das Leben in diesen alten Zeiten war seht hart, und etwa alle vier bis fünf Jahre kamen große Hungersnöte über das Land, und viele Menschen starben. Das Betraf vor allem die Bauern auf dem Lande und die Fischer an den Seen und Flüssen. Hatten sie so kaum etwas zum zusetzen hatten sie nun noch leere Netze und konnten keinen Fisch verkaufen. Die Seen und Flüsse hatten keine Fische. Eines Sage erzählt:

> In dieser Hungersnot, weder im Müggelsee noch in der Dahme ließen sich Fische fangen, und man wusste nicht wovon man leben sollte. So taten sich ein paar Fischerfrauen zusammen und legten heimlich in der Nacht an einer Stelle mitten in Köpenick , wo es bisher keinen eingefallen war, ihre Netze aus, sein Glück zu versuchen . Es war ein kleiner Wasserarm östlich der Schlossinsel . Sie hatten Erfolg . Volle Netze zogen sie in die Boote. Am Morgen zeigten sie ihren Fand den staunenden Männern. Fürs erste war die Hungersnot zu Ende. Der Spreearm heißt seitdem Frauentrog (Frauenzug). >

Ab 1600 bauten sich die Fischer auf Landzungen Hütten zum übernachten, da diese Hütten ziemlich weit draußen lagen, blieben sie den ganzen Sommer dort. Man nannte diese Hütten Buden, von diesen Buden belieferten die Fischer alles Fischmärkte in Berlin und Coepenick. Damals gab es noch Fische die ich gar nicht kenne, und deren Name heute kaum noch zu hören sind. Hecht, Karausche, Karpfen Lachs, Lamprete (Flussneunauge) , Maräne, Plötze, Quappe, Schleie, Schmerle, Ukelei und Zander. Die Kietzer Fischer verweigerten lange den Anschluss ihres selbstständigen Kietzes, mit teilweise eigenen Schulen und Dorfschulzen, an die Stadt Coepenick. 1897 wurden sie aber eingemeindet und seither ist nicht mehr viel über die Kietzer Fischer zu lesen.

1440 starb der Kurfürst von Brandenburg Friedrich I und seine Söhne übernahmen die gemeinsam die Regierung der Mark Brandenburg.  Friedrich II starb 1470, sein Sohn Albrecht Achilles *1414 +1486

verfügte in seiner „Disposition Achillea“ dass die Mark Brandenburg als unteilbares Gut der Linie des älteren nach dem Rechte  des Erstgeborenen fortgesetzt werden müsste. Die fränkischen Besitzungen sollen an die jüngeren Söhne vererbt werden. Nach und nach entstehen in Coepenick neue Zünfte und Innungen. Die Bienenzüchter, Schuster, Lohgerbereien, Beutner und Bäckereien entstehen. Und die Fischer nicht zu vergessen die ihre frischen Fische auf dem Markt verkaufen. Inzwischen nahmen die Raubüberfälle wieder zur und auch der Sohn von Albrecht Achilles, Johann Cicero wurde mit dieser Situation nicht fertig.  Man sag auf der Straße einen Gassenhauer „Morden und Stehlen ist keine Schand, es tun ja die Besten im Land.“

Seinem Sohn und Nachfolger Joachim I. *1499 +1535  schreibt Cicero  in seinem Testament:

<Liebster Prinz! Ich hinterlasse Euch ein großes Land, allein es ist kein deutsches Fürstentum, in dem mehr Zank, Mord und Grausamkeit im Schwange gehen, als in unserer Mark. Wehrtet doch solchem Unwesen und schaffe, dass Eure Untertanen liebreich und sanftmütig bei einander wohnen mögen. Vergesst nicht, den Adel im Zaum zu halten, des dessen Übermut verübt viel Böses. Strafet sie, wenn sie die Grenzen der Landesordnung übertreten. Lasset ihnen nicht zu, dass sie jemanden über Gebühr beschweren können. > Johann Cicero an seinem Sohn Joachim 1499.

Um nicht unter Kuratel  seines Onkels Friedrich regieren zu müssen, denn Joachim I. war noch nicht volljährig als sein Vater starb, heiratete er mit 19 Jahren die dänische Prinzessin Elisabeth.

Joachim I. lag nun Handel und Wandel sehr am Herzen, schon wegen der Steuereinnahmen war er daran interessiert das alles ordentlich seinen Gang ging. So verpfändete er, am Anfang seiner Regierungszeit, sein Wort, er werde ohne Rücksicht auf Rang und Stand jeden Hinrichten lassen, der beim Rauben gefasst würde. Aber das war ja gerade die Schwierigkeit, die Herren machten sich bei ihren Raubüberfällen unkenntlich.

Das gefiel diesen adligen Räuberbanden natürlich überhaupt nicht.  So wollte der Anführer der Banden ein gewisser Herr Otterstedt eine Verschwörung gegen den Kurfürsten anzetteln.

 Der Kurfürst Joachim  I. liebte  die Jagd. Die Wald- und Seenreiche Umgebung der „kurfürstlichen Residenz-Hauptstadt Berlin“ diente jahrhundertelang ausschließlich als höfisches Jagdgebiet. Dafür musste die Stadt Köpenick 1516 über die Hälfte ihrer Wälder an die brandenburgischen Kurfürsten abtreten.  Ausgedehnte Jagdgebiete wurden anlegten. Alle Forst- und Jagdflächen waren für Wanderer und Besucher grundsätzlich gesperrt. Zu den Seen und Feldern führt keine öffentlichen Straßen, das gesamte Gebiet diente ausschließlich der höfischen Jagd

In diesem Zusammenhang verpfändete Joachim I. das „Amt-Coepenick“ und wies das bewaldete Kietzer Feld als Feld und Nutzfläche aus. In den Folgejahren entstanden beträchtliche Acker- und Weideflächen. (siehe oben)

Für die Bevölkerung  von Köpenick blieben nur die Köpenicker Wälder und die Kämmereiheide zum wandern.

Der Anführer der Verschwörung, Otterstedt, nagelt nun an die Schlafzimmertür des Kurfüsten, im Schloss Köpenick, einen  Zettel. Das Schloss war damals noch die Burg aus dem 13.Jahrhundert.

<Joachimken, Joachimken, hütte di, wo wi di kriegen, da henken wi di.>

Bei einer der geliebten Jagden von Joachim I sollte die Gefangennahme stattfinden. Nun gab es damals aber auch noch treue Untertanen, ein Bauer verriet die Verschwörung. Joachim I, ließ nun die schon ausgeströmten wartenden Unholde seinerseits umzingeln, fangen, und deren Köpfe abgeschlagen  seinem Oheim schrieb er.

<Nicht adliges Blut hab ich vergossen, sondern nur Schelme, Mörder und Räuber richten lassen. Wären diese redliche Edelleute gewesen, so würden sie keine Verbrechen begangen haben.>

Joachim I. an seinem Oheim Friedrich der Alte, Markgraf von Ansbach.

Als der Kurfürst  1535 stirbt , versucht er noch auf dem Totenbett seinen beiden Söhnen das Versprechen abzunehmen , unbeirrt im katholischen Glauben zu verharren. Obwohl sie angesichts seiner letzten Stunde zustimmen, verläuft die Entwicklung doch anders.  Und entgegen dem Hausgesetz  der „Disposito Achillea“ wird nicht der Älteste mit der Regierung beauftragt, sondern beide Söhne. Der Jüngere, Johann, erhält die Neumark und trat sofort zum neuen Glauben über.

Joachim II. regierte *1505 + 1571  Regierung 1535 bis 1571. Er zog mit einer großen Militärparade in Berlin ein, die erste in der brandenburgischen Geschichte. Vom Kaiser wurde er zum Ritter geschlagen und mit dem Beinnamen Hektor – nach dem trojanischen Helden ausgezeichnet.

Joachim II. war ein verschwenderischer Herr, der seine Zeit bei wüsten Gelagen und Vergnügungen zu brachte. Er veranstaltete gern große Schwarzwildjagden.

 1558 lässt der Kurfürst ein Jagdschloss auf der Schlossinsel bauen. verschwenderischen Bedürfnissen des Landesherrn nach Repräsentation angepasst. Unter mehreren Jagdschlössern, die nun rund um Berlin entstanden, nahm sich jenes in Köpenick  als das weitaus stattlichste aus. Joachim II. wurde am kaiserlichen Hof Karls VI. erzogen, lernte er schon früh die Freuden üppiger Hofhaltung und die Pracht höfischer Bauwerke lieben. Seine kostspielige Bauleidenschaft und sein Hang zu verschwenderischen Prunk brachte die Landeskasse in arge Bedrängnis. Doch bewies er schon bald nach seinem Regierungsantritt 1535 großes Geschick und Besonnenheit in politischen Verhandlungen.

1539 trat Joachim II nach einigem Zögern zur Reformation über. Sein Bruder Hans bekannte sich von Anfang an in der Neumark der Reformation. Ein Jahr später 1540 billigte der Landtag die neue Kirchenordnung, die den Kurfürsten zum Oberhaupt der protestantischen Kirche erhob. Für diesen Schritt war die Bevölkerung ihm sehr dankbar. Trotz alles Repressalien und Befehle Joachim I. hingen die Brandenburger der lutherischen Lehre an. In der Cöllner Domkirche nahm Joachim II. das Abendmahl entgegen. Die Berliner Bürger vollzogen ihren Übertritt in der Nikolaikirche.

1571 starb Joachim II auf Schloss Köpenick.

Er war am selben Tag noch  auf der Wolfsjagd in den Müggelseeforsten gewesen. An der Abendtafel, in Schloss Köpenick, sprach man über Christi Tod und Auferstehung. Der Kurfürst  zeichnete ein Kurzifix auf den Tisch und verschied einige Stunden später unter heftigen Erstickungsanfällen. Der unerwartete Tod des Kurfürsten  wurde mir Erschrecken zu Kenntnis genommen. Man nahm an das Joachim II. vergiftet wurde. Warum es nun aber der jüdische Münzmeister Lippold gewesen sein soll, habe ich leider nicht in Erfahrung bringen können. Lippold wurde schuldlos wegen Giftmordes und Veruntreuung von Geldern angeklagt und öffentlich hingerichtet. Damit verbunden war dann die anschließende Vertreibung der Juden aus der Mark Brandenburg. Der Sohn Joachim II. Johann Georg *1525 +1598 regierte mit großer Sparsamkeit und einen bescheidenen Leben. Durch Nutzung der Kirchengüter brachte er es zu beträchtlichen Rücklagen.

Er starb im 72. Lebensjahr und erreichte damit von allen  Kurfürsten seines Hauses das höchste Lebensalter, worin man auch ein Ergebnis seiner für die Zeit geradezu untypischen Mäßigkeit im Genuss gesehen hat. Chronisten vermerkten, dass man zu seiner Zeit bei Hofe trunkene Leute nur dann gesehen habe, wenn fremder Besuch im Schloss gewesen sei.

Nun übernahm der älteste Sohn Johann Georgs, Joachim Friedrich  * 1598 + 1608 die Regierung. Er veränderte nichts und regierte weiter so wie sein Vater. Joachim Friedrich starb am 28 Juli 1608 von der Jagd kommend, in einem Reisewagen in der Nähe des Dörfchens Grünau an einen Schlaganfall.

Es folgte Sohn Johann Sigismund *1578 +1620. Beim Antritt der Regierung mit 37 Jahren war er nicht mehr gesund gewesen. Nach der Charakterisierung von Otto Hintze hat man sich  Sigismund als „eine weiche, leicht erregbare, aber wenig energische  Natur vorzustellen“„Er war in tiefer Frömmigkeit, aber zugleich von einer derben Genußfreudigkeit, wie sie damals in den Fürstenhäusern überhaupt sehr stark im Schwange war.“  Unlust zu den Geschäften und  Schwerfälligkeit wurde ihm nachgesagt, er starb nur 47.jährig am 2. Januar 1620.

Schon 1618 begann der Dreißigjährige Krieg. Schwere Zeiten brach für die Bevölkerung an.

Im Dreißigjährigen Krieg 1618-1648 hatten die Köpenicker schwere Not zu leiden. Häuser werden zerstört, Kirche und Rathaus werden restlos ausgeplündert und ausgebrannt und Geldforderungen der Schweden belastet die Bevölkerung.  Hunger und Elend brach über sie rein. Die Stadt hat 1638 eine Kontribution von 3 060 Taler zu zahlen. Die Schweden verlangen Geld und Proviant in Höhe von 500 Taler. Die Truppen nutzen das Schloss als Unterkunft, und König Gustav Adolf selbst schlug 1631 hier vorübergehend sein Hauptquartier auf.

Kurfürst Georg war ein unentschlossener Mensch, der es mit keiner Seite verderben wollte, mit dem Kaiser nicht und nicht mit den Schweden. Seine Bemühungen um Neutralität hatten zur Folge, das beide Krieg Führende Heere die Mark Brandenburg als Feindesland ansahen, und mordend, plündernd und brandschatzend von Ort zu Ort zogen. Hungersnot und Seuchen dezimierten die Bevölkerung. Der Kurfürst hatte sich selbst weit vom Schuss in Ostpreußen in Sicherheit gebracht.

Die Mark Brandenburg überließ er seinem Sohn Georg Wilhelm *1619 +1640 also noch acht Jahre vor dem Westfälischen Frieden 1648.

Am Ende des Krieges  1648 waren von 105 Häusern 40 zerstört, von 91 Bürgern lebten noch 14 und im Kietz nur noch 13.  Ein paar überlebende  des Krieges waren Jürgen Maysch,  Caspar Stahn und die Familie Funkel. Der Bürgermeister von Köpenick schieb in ins Köpenicker Landbuch :

„Von solcher Beschwerung ist das Städtlein also verwüstet, dass es vast ganz wüst worden und nicht mehr als 14 Bürger vorhanden sein .Wenn aber solche Kriegsbeschwerung durch Gottes Hilfe nicht geendet wird, so werden die noch vorhandenen 14 Bürger das irige auch quittirn und das verwüstete Städtlein bloß stehen lassen müssen.“

In der Mark Brandenburg lebten 1625   ca. 15 600 Menschen nach dem Krieg  1645 waren es noch  2200 Überlebende.  Wie leergefegt waren die Gebiete.

Von 1640 regierte der Kurfürst Friedrich Wilhelm *1620 +1688, der „Große Kurfürst“ in Brandenburg Er wurde 1620 in den Krieg hineingeboren. Zwischen 1634 und 1637 war er zu einem Bildungsaufenthalt in den Niederlanden. Seine erste Gemahlin war aus den Niederlanden Luise Henriette von Nassau –Oranien. Sie starb allerdings schon 1667.

Brandenburg erholte sich sehr viel langsamer vom 30-jährigen Krieg, wie andere Gebiete, weil seine Ausgangslage sehr viel schlechter war.

Kurfürst Friedrich Wilhelm übernahm ein schweres Erbe, ein verwüstetes , entvölkertes Land. Auch hatte er  zunächst keine Regierungsgewalt in der Hand. Der wahre Regent Brandenburgs war Schwarzenberg . Friedrich Wilhelm war klug genug, den Minister im Amt zu lassen. Der verhasste Stadthalter, der Städte in Brand setzen ließ damit sie nicht den Schweden in die Hände fallen, starb 1641 an einen Schlaganfall.

Um das entvölkerte Land wieder zu peuplieren, wie man damals sagte, holte der Große Kurfürst Ausländer in die Mark Brandenburg.  Zuerst Niederländer, es kamen aber nicht so viele wie sich das der Kurfürst vorgestellt hatte. 1671 kamen dann Wiener Juden , die aus Österreich vertrieben wurden,

auch die Juden die aus Brandenburg vertrieben wurden nahm Friedrich Wilhelm gnädig auf.

Mit seinem Judenedikt 1671 erlaubte er den Juden unbeschränkten Handel in der Kurmark und Berlin. Sie erhalten Steuerbefreiung und staatliche Unterstützung. Die Vergünstigungen hob sein Sohn Friedrich wieder auf.

1685 , nach der Aufhebung der Religionsfreiheit in Frankreich, gewährte er den Hugenotten Zuzug.

Sie werden in der Köpenicker  Freiheit angesiedelt. 20.000 „Refugies“ kommen bis zum Jahre 1700 ins Land.  Sie haben fortgeschrittene Formen des Gewerbes und  des Landbaus mitgebracht, so wie das geistige und gesellschaftliche Leben mannigfach befruchtet.  Es sind zum Teil Textilfachleute die eine Textilfabrikation gründeten. Es entstand eine französisch reformierte Schlosskirchengemeinde, die gemeinsam mit der deutschen Reformierten die Schlosskapelle nutzen.

 

1669 schenkt der Große Kurfürst seinen Söhnen Friedrich III. später König Friedrich I. und Emil  das Schloss Köpenick.  Emil starb jedoch 1674. Von nun an war Friedrich der alleinige Herr auf Schloss Köpenick. Für ihn ließ der Große Kurfürst das Renaissancegebäude 1677 niederreißen und einen Neubau errichten. Baumeister ist der Holländer Rutget von Lagevelt. Das Schloss wird im holländischen Stiel des holländischen Barock gebaut. Kurprinz Friedrich bezog das neue Schloss bereits 1680, als die Bauarbeiten noch in vollem Gange waren. Seine Eile, die eigene Residenz in  einiger Entfernung von Berlin einzurichten,

war die Angst Friedrichs von seiner Stiefmutter Dorothea von Holstein-Sonderburg-Glücksburg  vergiftet zu werden.  Der Vater hatte nach dem Tode seiner Mutter 1668  Dorothea Holstein-Sonderhausen geheiratet. Schreckliche Dinge wurden ihr nachgesagt. Fontane berichtet von plötzlichen Erkrankungen , sogar Todesfällen, die in der kurfürstlichen Umgebung einen dunklen Verdacht nährten, und nachdem Kurprinz Friedrich selbst, und zwar bei Gelegenheit eines Festmahls, das ihm die Stiefmutter gab, von einen heftigen Kolikanfall heimgesucht worden war, steigerten sich seine Befürchtungen bis zu solchem Grade, dass er den Vater um die Erlaubnis bat, sich nach Schloss Köpenick zurückziehen zu dürfen.“

Und die folgenden Jahre brachten neues Leid über Schloss Köpenick. Nur vier Jahre nach der Hochzeit starb 1683 die Ehefrau des Schlossherrn, Elisabeth Henriette von Hessen-Kassel. Erst die Vermählung des Kurprinzen mit Sophie Charlotte von Braunschweig-Lüneburg, brachte heitere Jahre für Friedrich.  Sophie Charlotte mied das Schloss Köpenick  allerdings und bevorzugte eine neue Residenz das Schloss Charlottenburg.  1688 starb der Große Kurfürst und das Schloss Köpenick verödete.

Friedrich III. *1657 +1713 wurde Kurfürst in der Mark Brandenburg. 1701 wurde er zum König von Preußen gekrönt und nannte sich nun König Friedrich I. von Preußen. In seiner Regierungszeit begann eine rege Bautätigkeit. Respektable Bürgerhäuser entstanden in der Friedrichstadt und Dorotheenstat.

Auch ein neues Schloss Köpenick entsteht. Die rege Bautätigkeit des Königs erschöpfte nicht nur  den Haushalt, sondern das ganze Land. Die Bauern flüchteten vor den Steuereintreibern in den Wald. Eine allgemeine Erschöpfung begleitete die letzten Regierungsjahre des preußischen König Friedrich I.

Erst  König Friedrich Wilhelm I. *1688 +1740  der Sohn und Nachfolger von Friedrich I.

Entdeckte, als passionierter Jäger die vorzügliche, Lage des Ortes wieder und brachte das Jagd und Lustschloss zu neuer Geltung. Bei einer Köpenicker Jagd im Jahre 1729 entging der König nur knapp dem Tode. Andere Jäger konnten ihn rechtzeitig finden und den schwer verletzten Landesherrn zum Schloss bringen, wo ihm ärztliche Hilfe vor dem Verbluten rettete.

Ein denkwürdiges Datum für die Geschichte des Schlosses ist der 28.Oktober 1730 . An diesem Tag hatte im Wappensaal zu Köpenick das Kriegsgericht eine Entscheidung zu fällen, die wohl einmalig in der Geschichte Preußens ist. Vor dem Tribunal stand kein Geringerer als der achtzehnjährige Kronprinz Friedrich, der später den Beinamen „der Große“ erhalten sollte, und seine engsten Vertrauten , Peter Christoph von Keith und Hans Herrmann von Katte. Der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm II liebte nichts auf der Welt außer seine langen Kerls in Potsdam die er aus der ganzen Welt zusammenholte. Freiwillig oder Gewaltsam ließ er große Männer anwerben. Seine Familie vernachlässigte er, und mit seinem Stock schlug er alles kaputt was in seiner Nähe war. Ob Kinder oder Fremde er schlug auf alles ein was ihm über den Weg lief. „Warum versteckt  Er sich?“, fragte er einen sich ängstlich  versteckenden Mann. Als der Mann ängstlich antwortete er habe Angst, schlug der König mit seinem Stock auf ihn ein und brüllte:“ Er soll mich lieben und keine Angst vor mir haben“. So erging es allen die zufällig den König auf der Straße trafen. „Nix wie weg der Keenich kommt“ war das allgemeine Schlagwort der Bürger in dieser Zeit.

<Die Leute wollen mir forcieren (etwas gegen mich durchsetzen) aber sie sollen nach meiner Pfeife tanzen, und der Deubel hole mir. Ich lasse sie hängen und braten wie der Zahr und traktiere sie wie Rebellen!> Des Königs Worte. Worte von Wilhelmine die wie ihr Bruder Friedrich sehr unter der harten Knute des Vaters litt.

<Wir führten das traurigste Leben der Welt. Früh so wie es sieben schlug, weckte uns die Übung von dem Regimente des Königs auf. Sie fand vor unseren Fenstern, die zu ebenen Boden, waren statt. Das ging unaufhörlich : Piff, puff und den ganzen Morgen hörte das Schießen nicht auf. Um zehn Uhr gingen wir zu meiner Mutter und begaben uns mit ihr in die Zimmer neben des Königs, wo wir den ganzen Morgen verseufzen mussten. Endlich kam die Tafelstunde. Das Essen bestand aus sechs kleinen übel zubereiteten Schüsseln, die für vierundzwanzig Personen hinreichen mussten, so dass die meisten vom Geruch satt werden mussten. Am ganzen Tisch sprach man von nichts, als von Sparsamkeit und Soldaten>

Wilhelmine und Friedrich wurden zur Heirat gezwungen und unglücklich.

Nach einem Streit mit seinem Vater fasste der Kronprinz Friedrich *1712 +1786 den Plan mit seinen zwei Freunden nach England zu fliehen. Das Vorhaben misslang und die drei wurden als hohe Offiziere der preußischen Armee der Desertion  angeklagt. Das Gericht verurteilte die beiden Leutnants zu lebenslänglicher Haft , wollte aber den Kornprinzen begnadigen. Doch der König war außer sich vor Wut und setzte sich über das Urteil hinweg. Er verhängte über alle drei Angeklagten  die Todesstrafe. Keith konnte rechtzeitig fliehen, der Kronprinz und Katte wurden in die Festung Küstrin (heute Polen) gebracht. Durch den Unmut der Bevölkerung sah sich Friedrich Wilhelm gezwungen seinen Sohn frei zulassen, befahl aber, um ein Exempel zu statuieren, Friedrich müsse bei der Hinrichtung seines Freundes zusehen, wobei er dann zwei Mal in Ohnmacht viel.

Katte wurde am 6.11.1730 in Küstrin enthauptet. In vorbeigehen rief Friedrich seinem Freund in Französisch zu:

„Also mein lieber Katte, ich bitte dich um Vergebung, dass ich dich in das Unglück, worinnen du jetzo steckst, gestürzt habe.“ Hierauf versetzte der Leutnant aufs bewegteste:

„Mein gnädiger Kronprinz, Sie haben nicht Ursach, mich um Verzeihung zu bitten, wenn ich zehn Leben zu verlieren hätte, so wollte ich sie gern darum geben, wenn Eure Königliche Hoheit mit Dero Herrn Vater, dem König, darum könnten versöhnet werden.“

10 Jahre später starb der Vater 1740. Man nannte den König Friedrich auch den Alten Fritz oder Friedrich den Großen, dessen Taten und Kriegszüge hinlänglich bekannt sind.

Ab 1749 residierte die im Alter von 29 Jahren Witwe gewordene Herzogin Henriette Marie von Würtemberg-Treck, geborene Prinzessin von Brandenburg-Schwedt im Schloss Köpenick. Den Witwensitz hatte ihr Friedrich II. zugewiesen, um ihr eine würdige Hofhaltung zu ermöglichen, vielleicht aber auch, um sie in einer gewissen Distanz zum Königshaus zu halten. Intrigen und Hofklatsch standen in voller Blüte, und es ist schwer zu sagen, ob die gemiedene Prinzessin ein Opfer von Gerüchten war oder vielmehr selbst Anlass zu Ressentiments hatte. Sie verbrachte mehr als dreißig Jahre auf dem Schloss und starb wenig beachtet 1782.

Nach manchen Jahren der Vernachlässigung wurde das Schloss 1804 an den Grafen Friedrich Wilhelm von Schmettau verkauft. Er galt als gelehrt und weltmännisch und stand am preußischen Hofe in hoher Gunst. 1806 hatten die Köpenicker unter Napoleon stark zu leiden, sie mussten die französische Armee verpflegen was fast unmöglich erschien.  Wieder einmal wurde das Land ausgelaugt und ausgeplündert. 1813 bis 1814 kam es dann zu den Befreiungskriegen und Berlin war wieder frei.

Vom 1830 bis 1850 war im Keller ein Gefängnis untergebracht , wo so genannte „Demagogen“, Staatsfeinde, fest gehalten wurden. Nach der Schließung des Gefängnisses nutzte man das Schloss bis 1926 als Lehrseminar, dann als Studentenwohnheim. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde ein „Volkshaus“ mit Gaststätte, später eine Wirtschaftsschule eingerichtet. Ab 1950 fand das Volksensemble der DDR hier ihr Domizil.  Seit 1963 beherbergt Schloss Köpenick die umfangreiche Sammlung eines Kunstgewerbemuseums. Nach sorgfältiger Neugestaltung seit der deutschen Vereinigung sind heute vor allem Möbel, Glas, Keramik und Schmuck aus der Zeit der Renaissance und des Barocks zu sehen, hervorragend abgestimmt auf die Geschichte und den Charakter des Schlossbaus.         

 

 

 

 

 

AUSFLUG  AUF  DEM  MÜGGELTURM

 

Die Wechselbeziehung zwischen Wasser und Wald macht Köpenick zum Ausflugsgebiet. Schon vor dem Ersten Weltkrieg wurde Köpenick und seine Wälder und Seen gerne, von den Berlinern am Wochenende, besucht. Ein Anziehungspunkt sind und waren die vielen Lokalitäten, und heute auch  noch Hotels, rings um die Müggelberge und den Müggelsee. Da gibt es den Großen Müggelsee, den kleinen Müggelsee, den Langen See, die Große Krampe und die Dahme und Spree.

Der Große Müggelsee wird von der Spree umschlossen. Die Große Krampe ist eine ehemalige Schmelzwasserinne, sie vereinigte sich mit dem Wasser von Eismassen, die im heutigen Flussbett des Langen See und der Dahme abflossen. Das war zur Eiszeit, ist also schon eine ganze Weile her. Es gibt die Gaststätte „Teufelsee“, „Rübezahl“, „Müggelhort“ und „Müggelturm“.

Der Teufelsee ist 1.3ha groß und sein Moor sind vom Kiefernwald und Eichen umgeben. Eine Besonderheit ist der Wasserspiegel , der zwei Meter höher liegt als der des Großem Müggelsees und des Langen Sees. Noch Anfang des 20.Jahrhundes konnten in dem See Fische wie Aal, Blei, Plötze, Hecht und  Schlei gefangen werden. Eine Vielzahl von Fischen von den wir heute nur noch Träumen können. Diese Fische wurden in der Gaststätte „Teufelsee“ frisch und schmackhaft zubereitet. 1928 war das Moor noch weitgehend gehölzfrei und das ganze Jahr hindurch ziemlich nass, was sich später durch die intensive Wasserförderung durch das Wasserwerk Friedrichshagen änderte. Natürlich gibt es über den Teufelsee auch eine Sage.

<In den Müggelbergen stand einmal ein Teufelsaltar. Das war ein Stein etwa sieben Fuß lang und sechs Fuß breit (2,17mx1,68m),und nächtliche Wanderer, die an dieser Stelle  vorüberkamen, wurden durch allerlei Spuk geängstigt. Deshalb beschlossen die beherzten Müggelheimer, den Treiben ein Ende zu machen. Am hellen Tage zogen sie in Müggelberge, räumten den Stein zur Seite und zerschlugen ihn, um aus den Trümmern die Brunnen ihres Ortes zu bauen. Aber noch lange nachher sah man an der Stelle, wo er gelegen hatte, des Nachts einen Feuerschein oder eine große Goldglänzende Kanne. Beide Erscheinungen verschwanden , wenn man sich ihnen näherte.>

Im Führer von Cöpenick und Umgebung aus dem Jahre 1912 heißt es:

..... „Der grüne Strand der Spree, das sind die “silberglänzenden weiten Wasserflächen, umsäumt von grünen Waldungen, sanft ansteigenden Hügeln, leise plätschernden Fließen“. In dem über 10 000km umfassenden Einzugsgebiet der Spree“

....‘ne scheene Jejend  ist det hier“, war die Meinung der Berliner über diesen grünen Strand der Spree.

Ab 1906 erreicht der Ausflugsverkehr neue Dimensionen. So steht es in dem „Führer für Ausflüge“ von 1906.

< Eine Fülle neuer, herrlicher gelegener Lokale ist jetzt entstanden oder doch neu ausgebaut worden. Man fuhr sonntags gern mit Kind und Kegel ein paar Stadtbahn- oder Pferdebahnstationen weit Hinaus ins Grüne, wanderte ein Stück durch Wiesen, Felder und Kiefernwald, lagerte sich irgendwo Eine Lichtung , spielte Drittenabschlagen, picknickte aus dem mitgebrachten Fresskober oder kehrte  in ein Ausflugslokal, wo Familien Kaffee kochen und den mitgebrachten Kuchen verzehren konnten,  ein und fuhr abends im gerammelt vollen Zug befriedigt wieder nach Hause.>

In den Ausflugslokalen durften Familien Kaffee kochen, besonders für Arme und kinderreiche, die sie ja damals fast alle waren, was das eine große Hilfe. Es gab „Kaffeeküchen“ mit Wasserkessel, die immer einen starken Andrang hatten. Geschirr wurde zu Verfügung gestellt und die Familien konnten

ihre mitgebrachten Stullen oder Kuchen in aller Ruhe und Gemütlichkeit verzehren. Manchmal kaufte Vater  „‘nen kleenen Happen zur Molle. Man trank, noch genauso wie heute, „kleenes Helles“,  ein Potsdamer (Halb Brause halb Helles) oder „ene Molle mit Korn“.(Ein großes Bier und ein weißer kleiner Schnaps) oder die beliebte „Weiße mit Schuss“ Weißbier mit einen Schuss Himbeere oder Waldmeistersaft.

 <Um Weißbier trinken zu können, muss man mindestens zehn Jahre in Berlin gelebt haben, um es mit Geschmack zu trinken, muss man in Berlin geboren sein.>

Es gab Dampferfahrten, die „ Pläsierfahrten“ genannt wurden. Im Gegensatz zu den sandigen und holprigen Landwegen versprach eine Fahrt auf dem Wasser wesentlich größere Annehmlichkeiten.

<Dampfschiffahrt  Müggelsee Rhederei:H.Kedding&Co.

 Die Dampfer stehen stets zur Verfügung. Sie fahren bei nur einigermaßen gutem Wetter täglich in Pausen von ½ bis  ¾ Stunden- nach jedem Lokal am Müggelsee- gleichviel, wohin jeder will. Außerdem stehen Dampfer jeder Größe billig zu jeder Zeit Vereinen und Gesellschaften, auch zu nächtlichen Fahrten (wenn die Eisenbahnzüge nicht mehr gehen) zur Verfügung. Dampfer in Richtung Müggelsee und nahe gelegenen Lokalen zu bedeutend ermäßigten Preisen>

Restaurants gab es an jeder Ecke in Köpenick. Restaurant „ZUM JÄGERHÄUSCHEN“ Restaurant „HIRSCHGARTEN“ Restaurant „FISCHERHÜTTE“  oder die „MÜGGELBUDE“ und der „MÜGGELTURM“. Die Fischerhütte Müggelbude wurde bereits 1652 erwähnt. Auf der Köpenicker Karte aus dem Jahre 1793 ist sie als „Königliches Fischerhaus“ eingetragen. Für Fischer, Schiffsknechte und Hirten war die Müggelbude ein beliebter Treffpunkt, denn der Wirt schenkte nicht nur Getränke aus, sondern gewährte auch Unterkunft. Für diesen Zweck stellte er die Kajüten von abgewrackten Kähnen als Unterkunft am Müggelsee auf. Theodor Fontane schrieb ausführlich wie er 1860 die Müggelbude als Gast- und Fährhaus, Fischerwohnung und Leuchtturm kennen lernte.

Den Müggelsee mochte er wohl nicht so, denn er schreibt der Müggelsee ist Böse, weiterhin schreibt er :

<Die Müggelbude repräsentiert ein Gasthaus erster Klasse: Für die Unbekannten und schlecht Legitimierten aber hat man abwärts auf dem untersten schmalen Uferstreifen eine Art Schiffer-Ghetto aufgeführt. Hier, auf einem Terrain, das sich Seen und Sand beständig streitig machen, erheben sich flachgewölbte Holzhütten, die sich bei näherer Betrachtung als ausrangierte Schiffskajüten erweisen. Durch die halboffene Tür gewinnt man den Einblick in das Innere derselben: Auf vier hohen Pfosten ruht ein roh zusammengenagelter Kasten groß genug für zwei oder drei Schläfer, und mit nichts ausgestattet als mit etwas niedergelegtem Stroh. Das ist alles, was die Gastlichkeit Müggelbude, das erste Hotel am Müggelsee, damals bot.  >Theodor Fontane 1860

Die Müggelbaude brannte 1866 ab. Fontane schildert seine Impressionen die er 1860/61 erlebt hat in „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“.

Der Müggelturm stand  auf einer Kuppe der Müggelberge ein einfacher, aus Rundhölzern errichteter Turm, der nach seinem Stifter „Spindler Turm“ genannt wurde. Eine einfache Sprossenleiter führte zu seiner Spitze in 10 Meter Höhe.

Henriette Lustig *1805 +1888 gründete die erste Lohnwäscherei in Köpenick und begründete  damit den Ruf  Köpenick sei „DAS WASCHFASS VON BERLIN“.

Wilhelm Spindler eröffnete 1832 in Berlin Mitte eine Wäscherei zog dann aber nach Köpenick, da es ihm in der Reichshauptstadt zu eng wurde. Er baute in Köpenick am Ufer der Oberspree  den modernsten Wäschebetrieb Deutschlands. 1873 wurde der Betrieb eingeweiht. Bei Spindler konnte man nicht nur Waschen lassen, die Firma war einer der Wegbereiter der sogenannten Chemischen Reinigung. Mit Benzin wurde vor allem empfindliche Kleidungsstücke gereinigt. Als die Spindler AG 1932 ihren 100 Geburtstag feierte verfügte das Unternehmen über 100 eigene Filialen  und weitere 200 Annahmestellen. Neben dem klassischen Waschen bot Spindler auch Chemische Reinigung, Fleckenentfernen und Färben an. Gereinigte Wäsche wurde Schrankfertig geliefert .

1855 sind es bereits 200 Wäschereien die sich hier etabliert haben und es gibt eine Wäscherzeitung in der 1935 ein Gedicht veröffentlicht wurde.

Hast Du schmutzige Wäsche im Haus, schick’ sie nach Köpenick zum Waschen hinaus.

Durch Sonnenbleiche und Trocknen im Frei’n, wird sie wie nirgends so sauber und rein.

Köpenick liegt an der Spree, die kommt aus dem Müggelsee.

Ihr Wasser ist noch klar und rein, drum wäscht man dort seit hundert Jahr,

für Groß-Berlin die Wäsche.

Groß- Berlin – ein jeder kennt es, Köpenick ein jeder nennt es, die Wäschekammer Groß-Berlins.

So ist es – so war es, so wird es immer sein.

Durch Köpenick allein- wird die Wäsche wieder rein.

 (aus Kietzgeschichten  von Köpenick und Treptow 1999 Kunstfabrik Köpenick)

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm das Unternehmen Rewatex.  Zunächst hieß es noch VEB Blütenweiß und wurde später in Rewatex umbenannt. Dort arbeiteten als Wäscherinnen die Frauen aus dem nahe liegenden Frauengefängnis. Heute ist es ein Abschiebegefängnis.

Das Gelände an der Oberspree heißt nach dem ersten Waschhausbesitzer Wilhelm Spindler Spindlersfeld.

Der Sohn von Wilhelm Spindler, Carl Spindler ließ nun einen Turm im chinesischen  Pagodenstil bauen der Turm kostete 40.000,- Mark, und der Baurat Bohl bescheinigte am 5.4.1890, dass es sich um eine „durchaus haltbares Bauwerk“ handele. Daraufhin wurde am 17.4.1890 vom Amtsvorsteher Krieger die Genehmigung für die öffentliche Benutzung erteilt. Zuvor wurde noch ein Küchengebäude mit anschließenden Abortanlagen aus Fachwerk errichtet.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde auf dem Müggelturm ein Beobachtungsposten eingerichtet. Die Öffentlichkeit hatte ab sofort keinen Zutritt mehr.

Der Turm- zum militärischen Objekt erklärt- erhielt einen Sprengladung eingebaut. 1945 im April besetzte die Rote Armee den Müggelheim. In aller Eile wollte man nun noch schnell den Müggelturm sprengen. Der Turm-Gastwirt Walter Wichelhaus griff zwei wollende Decken und begab sich trotz strengen Verbotes nach oben. Mit den Worten: “Ihr sollt nicht frieren“ übergab er den Dienst habenden SS-Leuten die Decken. Der Postenführer versetzte Wichelhaus  einen kräftigen Faustschlag, so das er die Treppe herunterrollte- und im langsamen Fall gelang es Wichelhaus , die Zündschnüre zu durchtrennen. Die List war geglückt. Der Wirt erreichte gerade noch seinen Luftschutzkeller, als er einen fürchterliche Detonation vernahm. Er eilte zum heimlich angelegten Auslug und stellte fest, dass die SS soeben die Bismarckwarte gesprengt hatten. Die Bismarckwarte stand auf dem höheren „Großen Müggelberg“ . Sie wurde nach den Plänen der Architekten  Rietz und Jacob gebaut und am 16.11 1904 eingeweiht. 166 Stufen führten auf die obere Aussichtsplattform, welche 29 Meter über den Fußpunkt war.  Wichelhaus sah, wie die Sprengkommandos auf „seinen“ Turm zueilten. Der aber zerbarst nicht. Dafür zerrten sie Wichelhaus aus seinem Keller, als „Tatverdächtiger“ sollte er augenblicklich erschossen werden und stand bereits mit dem Rücken an den Holzschindeln des Turms. Das SS-Kommando erhob die Karabiner- da rannte Erna Wichelhaus durch den Garten und schrie: „Die Russen kommen, die Russen kommen“!  Die MPI Schussbereit stürzten die ersten Rotarmisten auf die Szene zu... Erna Wichelhaus lebte bis zu ihrem Tod 1978 in Müggelheim.

Schon am nächsten Tag diente Gaststätte und Zimmer als Notlazarett für verwundete Rotarmisten. 1946 wurde der Müggelturm wieder eröffnet. Nun hat der Turm die Turbulenzen den Krieges überstanden aber ein ewiges Leben sollte ihn nicht beschieden sein. Leider brannte der Müggelturm bei Schweißarbeiten am Stahlgerüst am 19. Mai 1958 vollständig ab.

Die Berliner beginnen sofort mit einer großen Spendenaktion es kommen 130.000 Mark Ost zusammen, die für den sofortigen Neubau des Müggelturms verwendet werden. 3 700 freiwillige Aufbaustunden werden geleistet. Der Neubau wird am 30.12.1961 eröffnet. Er ist 30 Meter hoch seine Aussichtsplattform ist 120 m über den Meeresspiegel, Sichtweite rund 50 km. Leider ist noch immer, nach 10 Jahren, nicht entschieden was mit dem Müggelturm endgültig geschieht. Teufelsee, Rübezahl, Müggelhort und eine Vielzahl anderer Gaststätten kann man heute noch besuchen. Die Wanderwege sind noch die gleichen wie vor 100 oder 200 Jahren. Die Müggelberge sind keine hundert Meter hoch aber immerhin schon kleine Hügelchen auf denen man im Winter rodeln oder Skifahren kann. Am Müggelsee steht das „Hotel Müggelsee Dorint“ und wartet auf seine Gäste. Das nahe gelegene Müggelheim  wurde 1747 von Pfälzer gegründet ist noch im Kern so erhalten wie es damals gebaut wurde. Die Nachfahren der damals eingewanderten Pfälzer leben noch heute dort.

 

                                  

 

Müggelheim

 

Die Müggelberge treten in der Landschaft besonders deutlich hervor. Die Landschaft besteht aus steilen Kuppen und tiefeingeschnittenen Tälern. Nach Westen werden die Kuppen allmählich niedriger und enden schließlich in 70,2 Meter Höhe in den Kanonenbergen. Die Müggelberge bestehen überwiegend aus Kiesen und Sanden, es gibt nur wenige tonige Einlagerungen. Ursprünglich waren sie locker mit verschiedenen Laubhölzern bewachsen. Vor 1500 bis 1000 Jahren wuchsen überwiegend Stieleichen, auch Ebereschen, Ahorn und Erlen auf den Müggelbergen. Der Boden war grasig und auch mit Farnen und Kräutern bewachsen. In den Wäldern lebten Rotwild-und Rehwild, möglicherweise sogar Auerochsen. Dachs, Fuchs, Fasan, Wildtaube, Hase und Kaninchen lebten im lichten Müggelwald und Müggelbergen.

Sie entschlossen sich erst einmal zwei Abgesandte an die Front zu schicken die erst einmal die Lage peilen sollten. Man entschloss sich 1747 Friedrich Werger und Veit Port nach  Frankfurt am Main zu schicken. Der Resident Freytag in Frankfurt rührte, wie man so mitbekam ordentlich die Werbetrommel für Preußen. Freytag schickte die beiden Abgesandten weiter nach Berlin zum Minister Marschhall. Dieser führte sie dann direkt zum König von Preußen. Der König, hoch erfreut über die  Willkommene  voraussichtliche Zuwanderung der Pfälzer, gab den beiden Abgesandten eine schriftliche Zusicherung mit. In diesem Annahmepatent  Seine königliche Majestät in Preußen heißt es unter anderen:

<Allergnädigster König und Herr, aus dem alleruntertänigsten Bericht dero Kriegs-Rat von Freytag vom 8. Februaur a.c. vernommen, welcher Gestalt einige Familien, bestehend aus Bauers- und Ackersleuten, sich aus dem Herzogtum Zweibrücken in dero Königlichen Land niederzulassen entschlossen seyen, sich auch dieserhalb bereits 2 Deputierte (die Abgesandten) von Odernheim am Glan aus dem Zweibrückschen, namens Friedrich Werger und Veit Port, allhier angemeldet und angezeigt haben, wie nicht nur anjetztzo ihrer 15 Familien sich sogleich mit ihrem Vermögen anhero begeben wollen, sondern ihnen auch eine weit stärkere Anzahl mit nächsten anhero folgend dürfte.>

Friedrich Werger und Veit Port fuhren mit ihrer königlichen Schrift wieder  nach Odernheim.

Jede Familie sollte ein gewisses Stück Acker und Wiese zu ihrem und der Ihrigen Unterhalt unentgeltlich bekommen. Die Siedler und deren Nachkommen, sowie deren Knechte wurden von jeder Verbindlichkeit enthoben. (Kriegsdienste) Schulen sollten auf Kosten seiner kaiserlichen Majestät  Schulmeister bekommen und Gottesdienste durften abgehalten werden. Auch für weitere einwandernde Familie sollten diese Zusagen gelten, konnten aber später bei den vielen nachfolgenden Kolonisten nicht mehr eingehalten werden.

 „....sofern sie arbeitsame Leute und sich sonst ehrlich zu ernähren willens und im Stande sind, so nicht Bettler, sondern wenigstens zu ihrem hiesigen Anfrage etwas Vermögen mitbringen, eben dieselbe Königliche Gnade, Schutz und Hilfe angedeihen sollen“.

Der Vertreter Freytags Kommissar Mieling  quartiert sich in Odernheim ein und versucht Leute zum Auswandern zu bewegen. Der Schultheiß von Odernheim , Kasimir Beyer, setzt von all diesen Vorgängen pflichtschuldigst den zuständigen Oberamtmann in Meisenheim , von Bentheim, in Kenntnis. Bentheim lässt Werger und Port verhaften. Er nimmt ihnen alle Papiere ab, darunter einige Auswandererlisten, lässt das nicht unbeträchtliche Vermögen der beiden beschlagnahmen . Port kann ihm entkommen. Werger bleibt in Haft.  Werger und sämtliche Angeworbene werden eines strengen Verhörs unterzogen. Sie bleiben aber alle dabei und Begründen ihren Entschluss auszuwandern mit Mangel an Verdienstmöglichkeiten und mit drückender Armut. Mit allen Mitteln will Bentheim sie zurückhalten, die willigen Auswanderer lassen sich nicht einschüchtern, sie bleiben dabei das Land verlassen zu wollen. „Schlimmer als hier könne es in Preußen auch nicht sein.“ Kommissar Mieling protestiert gegen diese Art Bentheims und fordert nachdrücklich  die Entlassung Wergers. Der wird freigelassen man behält aber sein Vermögen.

Die Pfälzer Familien packten nun ihre sieben Sachen und fuhren zunächst nach Frankfurt am Main.

„Ihre spärliche Habe trugen sie auf dem Rücken oder luden sie auf eine Schubkarre. Manche Truppen nahmen auch Pferd und Wagen mit, auf dem neben Hausrat kleine Kinder und schwache Frauen Platz fanden. Alle Strapazen ertrugen die Schwergeprüften, Hoffnung im Blick und Mut in Herzen.“

In Frankfurt angekommen übernahmen die Beauftragten Freytags die Verpflegung und stellten  Gruppen für den Weitertransport nach Berlin zusammen. In der Regel sollten 30 bis 40 Familien einen

In einen Transport zusammengestellt werden.

Die Reise wurde unter einem Beauftragten, das war Mieling oder dessen Gehilfe  Dorn zurücklegen. Für je acht Familien stand von Frankfurt ab ein Leiterwagen mit vier Pferden als Passfuhre zur Verfügung. Die Auswanderer hatten zu wählen, ob sie die im Patent vereinbarten Tagegelder oder Meilengelder ,je 12Sgr (Silbergroschen  1/30 Thaler)  für einer Wegstrecke von einer Meile, erhalten wollen. <Wie anstrengend die Reise war, ergibt sich daraus, dass nicht weniger als 36 Personen, meist Kinder, aber auch einige Familienväter, allein bei sechs Transporten den Strapazen erlagen>. In Berlin angekommen übernahm der Sekretär Krügell die weitere Betreuung der Pfälzer, die zunächst in kleinen Gasthöfen und bei Bürgern untergebracht wurden.

Als die 20 Odernheimer Familien im Mai 1747 in Berlin ankommen, werden sie von den Behörden gnädig aufgenommen. Eigentlich sollten sie im Oderbruch angesiedelt werden, aber die Meliorationsarbeiten waren noch im Rückstand,  deshalb gab  der preußische König Friedrich  den  Anreisenden   aus besonderer Gnade einen Siedlungsraum dicht bei seiner Residenz , ein von ihm  ausgesuchtes zu kultivierendes Gebiet im Amt Köpenick .

 

Da aber ihr Vermögen noch gesperrt war, ließ ihn ihr Gönner einen Vorschuss für die Kultivierung eines  Gebietes geben. Der König ließ für die Pfälzer bereits unter dem 1 Juni, als sie eben erst in Berlin angekommen waren, eine Erbzinsverschreibung ausfertigen. Auch eine besonders Vergünstigung. Dieses Datum  Donnerstag den 1.Juni 1747 gilt als Gründungsdatum von Müggelheim. Jeder der 20 Kolonisten erhält 90 Morgen Land. Der künftige Dorfschulze  erhält zusätzlich 15 Morgen. Dafür gewährt ihnen die Behörde einen 15.-jährige Befreiung  von allen Abgaben bis 1762. Danach hat jeder Kolonist 30 Taler Erbzins jährlich zu entrichten. Auch von allen sonst üblichen Dienstpflichten werden sie ein- für-allemal befreit. „Die Juristdiction (Gerichtsbarkeit) über die Einwohner dieses neuen Dorfes Müggelheim wird durch die Erbverschreibung „dem Amte Köpenick“  beigelegt. Bei diesen guten Konstitutionen ist es kein Wunder das auch die beiden Abgesandten  Friedrich Weger und Veit Port mit ihren Familien der Auswanderung anschlossen.

Alle Kolonisten wurden in Kirchen-und Landbücher eingetragen. Familie Paul Tisch, Adam Catholi, Wilhelm Grimm, Peter Hembt, Jacob Rauch und viele mehr. Das neue Dorf erhält den Namen Müggelheim .Der Ortsname ist mit großer Wahrscheinlichkeit eine Übertragung  des Ortsnamen Odernheim  auf die neue Heimat Müggel (Müggelsee)

Der erste Dorfschulze Philipp Rauch wird vom König ernannt.  Er bleibt es bis 1781.  Der Dorfschulze erhält  zur Entschädigung seiner Arbeit 15 Morgen Land genannt „Pup-Sack  und in Portionen einige Wiesen und Brüche. Die amtlichen Obliegenheiten des Dorfschulzen beschränken sich darauf , die Aufsicht über die öffentlichen Wege  zu führen.  Leichte Übertretungen gemeinsam mit den Schöffen zu ahnden und die Steuern einzusammeln und abzuliefern. Am 4oder 7.Juli  1747 gab es auch die erste Geburt bei den Kolonisten. Die Eheleute Marx und seine Gattin bekamen Zwillinge. Im Herbst werden ihre Vermögen freigegeben. Nur die erste Aussaat erhielten sie geliefert, und auch die erste Feldbestellung haben die Bauern aus den umliegenden Dörfern  für sie zu besorgen.  Nach Abschlussrechnung gab der Staat zur Gründung der Kolonie nur 426 Taler Zuschuss. Im Winter 1747/1748 Sibirische Kälte in Müggelheim.  Im April 1748 laut Kirchenbuch der erste Todesfall in Müggelheim.

Tod der Witwe Anna Christine Kühn, geborene Kahlbach . Es wird berichtet , dass sie des Joachim Wilhelm Kühn, gewesenen Einwohners von Oberhausen Oberamt Weißenheim gemeint ist Meisenheim  im Herzogtum Zweibrücken, hinterlassene Witwe gewesen sei.  Die Pfälzer waren fleißig und lebten sich bald in die neuen Verhältnisse ein. Erfüllten sich auch nicht alle Wünsche und Hoffnungen-  musste doch der Antrag ihnen die Müggelberge für Weinanpflanzungen zu erlauben abgelehnt werden- so sahen sie sich doch nicht wie viele mit oder nach ihnen Ausgewanderte  Landsleute  enttäuscht. Johann Peter Tisch wird  1749 Lehrer  in Müggelheim.  Der vom König besoldete , in der Erbverschreibung versprochene „Schulmeister“ welcher die Kinder in der Gottesfreude und im Lesen und Schreiben unterrichten soll. Er versieht sein Amt bis 1809. Die Kolonisten beschweren sich über den Schlossprediger  und sprachen das Verlangen nach einer eigenen Kirche aus. Ferner klagen sie über Wildschäden und auch darüber dass der Müggelberg ihnen nicht zur Anlage von Weinbergen angewiesen worden sei. .

 

1750 hat Köpenick Stadt und Amt zusammengenommen 915 Einwohner. Ab 1762 haben nun alle Müggelheimer  Kolonisten 30 Taler Erbzins jährlich an das Amt Coepenick zu entrichten, und zwar 15 Taler bis zum Trinitatis-Sonntag, das ist der Sonntag nach Pfingsten, und 15 Taler bis zum Martini –Tag dem 11 November.  <Nach der Erbverschreibung soll dieser Erb-Zins niemals und zu ewigen Zeiten  nicht erhört werden.> Am 14. November heiratet der Müggelheimer Heinrich Genzler Marie Luise Werger. Bis 1768 werden Amtshandlungen in das Kirchenbuch der Schlosskirche Köpenick eingetragen.  Zwischen August 1756 und Februar 1763 findet der Siebenjährige Krieg um Schlesien statt. Nach Beendigung des Krieges im Frieden zu Hubertusburg Februar 1763  bekommen die Müggelheimer endlich ihre Wünsche erfüllt. Die Müggelheimer Gemeinde  bekommt die Genehmigung zum Bau eines Schul- und Bethauses, welches auf der Dorfaue gebaut wird. Sämtliche Kolonisten sind Anhänger der Lehre Zwinglis oder Calvins der Heidelberger Katechismus ist in Gebrauch. Die Betreuung übernimmt die reformierte Schlosskirche Köpenick. Von 1749 bis 1765 hält Jacob  Flackenheimer den Gottesdienst ab. Er ist in der Schlosskirche als Kantor abgestellt und Predigt alle 14 Tage in Müggelheim. Die Amtshandlung vollzieht der Hofprediger  Cregut in Köpenick.  12 August mit dem „General-Landschulreglement“ wird das Schulwesen in Brandenburg verbessert. Die bisher durch Landschenkung und Naturalien entlohnten Schulmeister erhalten eine Bezahlung durch Erhebung von Schulgeldern. Auch ihre Ausbildung wir verbessert.

Zur Verbesserung der Landwirtschaft, insbesondere der Kurmark, wird ein Kartoffelanbauzwang  1764 verfügt. Im April  1764 und Januar 1765 wird fleißig in Müggelheim geheiratet. Der Müggelheimer  Adam Catholy heiratete Anna Elisabeth Faber.

 

Der Müggelheimer PhilippWerger heiratete Marie Grete Genzler.  Der Müggelheimer Johann Heinrich Genzler heiratet Marie Hargisheimer und so geht es fleißig weiter. Am 16.4.1765 stirbt Kantor Jacob Flackenheimer. Die Gemeinde Müggelheim wird der Hof und Schlossgemeinde Köpenick als Filialgemeinde angeschlossen.  Infolgedessen sind die an der Schlosskirche angestellten Prediger zugleich auch als Geistlicher in Müggelheim tätig.

Neuer Dorfschulze wird im Jahr 1781 Jacob Baeyer.  Der stirbt aber schon 1796.  Sein Sohn der in Müggelheim geborene Jacob Baeyer wird Nachfolger er ist mit der Tochter des Dorfschullehrers Tisch Elisabeth Tisch verheiratet. 1801 zählt Müggelheim 139 Einwohner (darunter 20 Bauern und 1 Müller)  1803 wurde mit dem Bau einer Kirche auf der Dorfaue begonnen, entworfen von dem Baumeister Berger. Die Kirche war 1804 fertig und wurde am 1.Juli 1804 eingeweiht.

Am 1. August 1803 ertrinkt der Müggelheimer Bürger  Paul Brunnert mit seinem 8-jährigen Sohn  Johann Michael in der Großen Krampe. „Das Unglück war dadurch verschuldet, dass der Sohn dem Vater beim Getreide-Einfahren helfen wollte. Der Erntewagen war mit ein paar Ochsen bespannt. Diese wurden scheu und zogen den Knaben, der ihrer nicht Herr werden konnte, in der Wasser der Großen Krampe hinein. Der Vater der seinem Kinde zu Hülfe eilen wollte, wurde ebenfalls ein Raub der Wellen. Um am 12 Dezember des gleichen Jahres ertrank beim Schlittschuhlaufen auf der Großen Krampe der 15järige Johann Michael Müller.

Die Niederlage der Preußen gegen Napoleon in der Schlacht bei Jena-Auerstädt leitet die Besetzung Preußens ein. Köpenick unterliegt schweren Belastungen infolge durchziehender und einquartierter Franzosen. Den Weg nach Müggelheim finden die französischen Soldaten nicht, Der Ort bleibt von Brandschatzungen und Plünderungen verschont. Es wird erzählt, < dass die Franzosen bei ihrem Durchzuges durch Köpenick auch dem Dorfe Müggelheim ein Plünderungsversuch abstatten wollen, aber den Weg dahin nicht gefunden hätten. Thatsächlich ist Müggelheim in der schweren Zeit unseres  Vaterlandes, als es unter der französischen Fremdherrschaft seufzte, von keinen Franzosen betreten worden. Es ist heute (1897) noch manchem Einwohner erinnerlich, vom Vater gehört zu haben, dass die Bewohner der umliegenden Ortschaften ihr Vieh, um es von den Franzosen zu sichern, in die vom Wald umschlossenen Müggelheimer Gemarkung gebracht hätten. Dagegen glaubte man keinen Grund zu haben, den Ort der verbündeten Russen gegenüber geheim zu halten, doch sind die wenigen Erinnerungen, die sich an den Besuch knüpfen, keine freundlichen.>

Etwas anderes hätte mich auch sehr gewundert. Bis 1812 war dann Deutschland gevierteilt. 1. An Frankreich abgetretene Gebiete links des Rheins. 2. Rheinbundstaaten unter Napoleon Protektorat, 3. Preußen, 4. Österreich beide im napoleonischen Machtbereich. Und wieder ein tödlicher Unfall 1807 der Müggelheimer Friedrich Höltz verunglückt durch einen Sturz von der Scheune. Durch ein Edikt vom 9.Oktober wird eine Reform auf dem Lande eingeleitet. Der Bauer, bis dahin zuerst Untertan des Königs, wird „Staatsbürger“.  Am 28.Oktober 1810 kommt es zu der inkrafttrentende Bauernbefreiung. Die Erbuntertänigkeit  aller Bauern wird aufgehoben. Das bäuerliche Besitzverhältnis ins freie Eigentum umgewandelt. Die Kolonisten zu Müggelheim sind Erbpächter.  Grundherr, als Verpächter, ist der preußische König.

Alle Kolonienstraßen  und die Dorfaue Müggelheim werden als Eigentum der Kolonistengemeinde angesehen. Dann kamen die Befreiungskriege 1813 bis 1814 . 1858 hat Müggelheim 158 Einwohner, 19Hofeigentümer mit 16 Knechten und Mägden, 1 Schumachermeister und 1 Geselle, 1 Krug und 1 Armer. 1866 Feuer durch Blitzschlag auf dem Rauchschen Grundstück. Ihm fielen die Wirtschaften Christian, Höltz, und Mietge, sowie einige Wirtschaftsgebäude von Marx und Rauch zum Opfer.

„Das Unglück erweckte in Köpenick und Umgebung den Wohltätigkeitssinn. Eine rasch veranstalte Sammlung ergab 619,40 Mark, die unter die beiden zumeist Geschädigten verteilt wurde.“

1870 der Deutsch-Fanzösiche Krieg beginnt. 1871 Ende des deutsch-französischen Krieges. Wilhelm I von Preußen wird im Spiegelsaal von Versailles zum Deutschen Kaiser ausgerufen. 1899 Baubeginn der Bismarckwarte auf den Müggelbergen.

So ging das Leben weiter, alle im Buch  „Das Müggelheim Buch“ aufgezeichneten Begebenheiten hier aufzuführen wäre müßig.

 

Der Erste Weltkrieg 1814 bis 1918. Eine Tafel in der Müggelheimer  Kirche nennt die Gefallenen aus Müggelheim : Richard Bayer 20.2.1917 / Rudolf Bayer 12.10.1917 / Richard Voigt 17.10.1917 und Fritz Rauch 25.6.1918. Kaiser Wilhelm dankt am 9. November 1918 ab. 1919 beginnt  die Siedlerbewegung in  Müggelheim  für Wochenendsiedlungen und Einfamilienhäuser. 1933 die Machtergreifung Hitlers. Der Zweite Weltkrieg . Die Müggelheimer Landwirte müssen nun ihre  jährlich  gemusterten Pferde, für den militärischen Einsatz zum Marktplatz von Friedrichshagen bringen. In der NS Zeit werden insgesamt 36 Bürger von Müggelheim wegen ihrer Arbeit gegen Faschismus und Krieg festgenommen. Sie wurden zu hohen Zuchthausstrafen verurteilt oder ins KZ verschleppt, wie der Widerstandskämpfer Fritz Rode *4.12.1885 +9.8.1940 der nach Verbüßung einer Haftstrafe ins KZ Sachsenhausen überführt worden war und dort von SS-Leuten ermordet wurde. Der jüdische Bürger Hans Kirstein wurde in Auschwitz vergast, desgleichen die Ehefrau (eine Halbjüdin)  des Bäckermeisters Paul Milke.  Auch Tochter Ursula wurde im Frauen-KZ Ravensbrück ermordet.

In Müggelheim war eine Außenstelle des Konzentrationslagers Sachsenhausen. Dies weißt eine Landkarte im Museum Deutscher Widerstand aus. Fünfzig Jahre später wurden Zeitzeugen gesucht. Es gab auch ein so genanntes Speer-Lager und eine Dienststelle des Arbeitsdienstes. Die Außenstelle des KZs befand sich im Müggelheim von Mitte April bis etwa 25.1.1945. Sie befand sich auf einem 1500-2000qm großen Flurstück in der Sobernheimer Straße.

Am 20 November und 24.Dezember 1944 Fliegerangriffe über Müggelheim. Bei Fliegerangriffen 1943 bis 1945 sind insgesamt 12 Tote  zu beklagen. 738 Häuser werden betroffen, davon sind 28 total zerstört .1945 Kriegsende. Im Hause Höltz wird eine Ortskommandantur der Russen eingerichtet. Der russische Kommandant ernennt das Mitglied der Kommunistischen  Partei Johannes Michalek, zum Bürgermeister von Müggelheim. Der Sozialismus kommt auch nach Müggelheim. Die Witwe des am 6. Juni 1946 verstorbenen Dichters Gerhart Hauptmann hält sich vorübergehend in Müggelheim auf. Die Überführung des Sarges mit den sterblichen Überresten des Dichters von Agnetendorf (Schlesien)

Nach Hiddensee führt über Müggelheim, wo der Sarg etwa zwei Tage in der Villa der Familie Loth aufbewahrt wird. Schon zwei Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg findet der 200. Geburtstag von Müggelheim statt. Die Einwohnerzahl stieg auf 4209 Einwohner. Dieser Tag wurde mit einem Jubiläumsgottesdienst. Nach dem Gottesdienst fand .....“auf dem vom Siedlerverein  festlich geschmückten Dorfanger eine öffentliche Kundgebung statt.“

 

Dann 1998 die Öffnung der Mauer.  Am 12 Januar 1997 begeht die Müggelheimer Evangelische Kirchengemeinde den 50. Jahrestag ihrer Selbstständigkeit.  In seiner Predigt sagt Pfarrer Menthel:

„Unser 50. Geburtstag als selbstständige Gemeinde ist ein Anlass zur Dankbarkeit, dass Gott hier Menschen zusammengeführt hat, die Lasten tragen können........ Die allermeiste Zeit  der zurückliegenden 50 Jahre haben wir unter Bedingungen der DDR zugebracht..... Natürlich wollte man uns die Beine weghauen. Natürlich wurde vieles versucht , um insbesondere die Kinder, die Jugendlichen und alle in der Erziehung Tätigen von der Kirche zu trennen. Das war bitter und wir haben es nicht vergessen. Kinder kamen manchmal heimlich zur Christenlehre. Eine Mutter ist aus dem Elternbeirat der Müggelheimer Schule wegen des Wehrkundeunterrichts ausgetreten. Wir mussten in der kalten Kirche unsere Adventsfeier machen, weil die Partei es nicht hinnehmen wollte, dass wir in der alten Schule saßen. Manchmal kamen Spitzel. Aber das alles hat nicht ausgereicht, und  den Glauben aus dem Herzen zu reißen. Der ist tiefer verwurzelt....

250 Jahre Müggelheim  es fand eine Westwoche vom 24.5.bis 1.6.1997 statt, aus der Pfalz, hauptsächlich aus Odernheim  wurden über 300 Gäste erwartet.

Es wächst zusammen was zusammen gehört .

Beenden möchte ich diese Heimatgeschichte mit dem Lied von Müggelheim. Text und Musik Rolf Zimmermann.

Wo kann’s schöner sein, als bei uns im Müggelheim , wo die gute alte Spree mündet in den Müggelsee.  Kiefern Wald und gelber Sand, Sonnenschein und Badestrand. Darum immer gefällt es uns im Müggelheim, in Müggelheim,   in Müggelheim am besten auf der Welt. Schön ist im Sommer wenn wir wandern gehen durch den grünen Wald. Schön ist im Winter, wenn wir rodeln gehen .

 Auf den Müggelbergen wird’s uns nie zu kalt.

 

© christel dux

 

                                                                      

                                   ENDE

 



Gratis Homepage von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!