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In Memoire  Hans Rosenthal

 

 

 

Hänschen Rosenthal wer kennt ihn nicht in Berlin? Ich kenne ihn seit meiner frühsten Kindheit.

Er war von 1962 bis 1980 Leiter der Unterhaltungsabteilung beim RIAS Berlin.

Gründete dann seine eigene Firma die sein Sohn weiterleitet.

Hans Rosenthal ist am 2.4.1925 in Berlin geboren und  ist am 10.2.1987, leider viel zu früh an Krebs gestorben. Er bekam viele Auszeichnungen. 1972 bekam er das Bundesverdienstkreuz und 1980 die Silberne Kamera.

1993 wurde die Kufsteiner Straße wo das RIAS Funkhaus steht in Hans-Rosenthal-Platz umbenannt.

 

1958 sah ich ihn dann auf einer Bühne, ich weiß leider nicht mehr wo es war, es könnte der Titania-Palast gewesen sein.

Wie war ich enttäuscht einen so  schmächtigen Mann vor mir zu sehen. Hans Rosenthal war ja nie dick, und 1958 natürlich noch schlanker als später in den Wohlstandsjahren.  

Ich kannte ihn natürlich aus dem Rundfunk, die Sendung „Wer fragt gewinnt“ lief damals regelmäßig im Funk. Und jeden Sonntag die Kindersendung „Onkel Tobias vom RIAS“ .

Onkel Tobias entsprach schon mehr meinen Vorstellungen ein älterer wohlgeformter Onkel.

Der war damals nämlich auch mit dabei mit seinen Riaskindern.  Soweit ich mich erinnern kann war es eine Sendung die auf fürs Radio aufgezeichnet wurde.

Hans Rosenthal holte sich aus dem Publikum Leute die mit ihm wer fragt gewinnt spielten.

 

Ich war damals 10 Jahre alt, wir wohnten in der DDR dort ging ich auch zur Schule.

Seit 1956 oder 1957 gab es in der DDR keine Grundschule mehr, sondern nur noch die Polytechnische Oberschule, eine 10klassige Schule mit der Realschule vergleichbar.

Im Geschichtsunterricht hörten wir von unseren Lehrern viel über das NS Regime, über die Konzentrationslager und den Krieg. Damals kam mir dieses Thema zum Halse raus.

Was hatte ich damit zu tun was vor mir war? Ich sagte immer „die bläuen uns das so ein das wir nachher noch denken wir haben den Krieg selbst mitgemacht.“

Heute weiß ich wie wichtig es war. Allerdings sprach man, wenn man von den gefangenen in den KZs sprach fast ausschließlich von den Kommunisten und anders denkenden. Die Juden wurden zu den anders denkenden eingeordnet. Nur durch das Fernsehen wusste ich von dem Völkermord und der  jüdischen Endfrage. Später dann sah ich die zerstörte jüdische Synagoge und konnte einfach nicht verstehen warum sie nicht wieder aufgebaut wurde, die anderen zerstörten Häuser wurden doch auch wieder aufgebaut.

Bis zum Fall der Mauer wusste ich nichts über das ehemalige Judenviertel um die Hackischen Höfe und vom Scheunenviertel.

Meine Tochter ging in der Lehre in eine Berufsschule in der Schlichtallee, diese Schule war eine jüdische Schule. Man kann sich vorstellen wie erstaunt ich war als ich das später erfuhr.

Bevor ich noch weiter abdrifte möchte ich zurück zu Hans Rosenthal, über den ich ja eigentlich hier schreiben will.

 

Hans Rosenthal ist am 2.4.11925 in Berlin geboren, sein Vater war ein Bankangestellter.

Er hatte noch einen jüngeren Bruder Gert der 1932 geboren wurde.

Sein Vater starb früh schon 1937.  Bruder Gert bekam Kinderlähmung und blieb danach schwächlich. 1941 starb seine Mutter an ein Krebsleiden. Nun begann ein schweres Leben für Hans und seinen Bruder. Nach der Schule und einer  einjährigen Vorlehre in einer Tischlerei und Schlosserei, kam er ab 1940 in ein jüdisches Umschulungslager mit dem Ziel nach Palästina auswandern  zu können. Es kam aber nicht dazu. Als seine Mutter 1941 starb und sein Bruder in ein Waisenhaus kam ließ er sich auch dorthin versetzen, erbat schriftlich um die Versetzung.

1942 durfte er in das Waisenhaus seines Bruders nach Berlin kommen.

Wegen Disziplinverstöße musste er noch im selben Jahr in das jüdische Jugendheim in die Rosenthaler Straße  26 umziehen.  Noch im Oktober 1942 wurde das jüdische Waisenhaus aufgelöst und alle nach Riga deportier wo sich jede Spur verlor.

Zum Glück war er gerade, als im Werk in Weißensee, die jüdischen Arbeiter alle Deportiert wurden in einer Zweigstelle der Blechemballagenfabrik in Torgelow.

Ende 1943 flüchtete Hans aus Torgelow. Er fuhr zu seinen Großeltern nach Berlin, die konnten ihn zwar auch nicht helfen aber sie kannten jemanden der ihn verstecken würde.

Nun lag sein Schicksal bis zum Ende des Krieges in den Händen von drei Frauen

Die ihn in der Laubenkolonie „Dreieinigkeit“ in Lichtenberg versteckten.

Hans Rosenthal sagte einmal im Fernsehen, „Wenn ich gewusst hätte wie lange es noch dauert dann hätte ich es wahrscheinlich nicht gemacht“.

Aber was hätte er wohl sonst machen sollen, er war ja damals nur auf Menschen die wirklich helfen wollten angewiesen.

Frau Jauch, Frau Schönebeck und Frau Harndt von März 1943 bis April 1945 lebte er in der Obhut dieser drei Frauen, die ihm halfen zu überleben.

 

1944 starb Frau Jauch plötzlich, bei der Hans zuerst unter kam. Eine Nachbarin Frau Harndt wurde wegen der Kommunistischen Vergangenheit ihres Mannes überwacht. Für sie war es unmöglich den Jungen „zu übernehmen“.  Sie wagte es eine andere Nachbarin Frau Schönebeck zu fragen.  Das Risiko ging auf, sie nahm sich des jungen Hans an.

Nun hatte Frau Schönebeck aber noch weniger zu esse als Frau Jauch, beide hungerten nun.

Um nicht zu verhungern wurden noch mehr Leute eingeweiht. Zum Schuss wussten es zehn Leute die alle den Mund hielten und nichts verrieten.  Zum Dank für die Hilfe stellte sich Hans Rosenthal vor den Frauen wenn ihnen einen Vergewaltigung von den Russen drohte. Er konnte ihnen damit helfen und bezog einmal sogar eine gehörte Tracht Prügel.

Ging Hans bis 1945 nur wenn es Luftangriffe gab ins Freie, nur wenn alle in ihre Luftschutzkeller saßen gab es für ihn frische Luft, wagte er im April 1945 dann doch einen Kontrollgang am Tage.

Im April 1945 aber kam es noch beinahe zu der Erschießung von Hans Rosenthal durch die Russen.

Zitat Hans Rosenthal : Hans Rosenthal: Zwei Leben in Deutschland, Bergisch Gladbach 1987, S. 87 - 90.

…..Dann ging ich mit meinem »gelben Stern« zurück zur Kolonie »Dreieinigkeit«. Plötzlich, am Wasserwerk, umzingelten mich einige Russen. Sie richteten ihre Maschinenpistolen auf mich. Ich zeigte auf meinen Stern und lächelte, obwohl mir das Herz bis zum Halse schlug. Was war nur los mit denen? Ihre drohende Haltung ließ keinen Zweifel daran zu, daß sie Anstalten machten, mich an die Wand zu stellen und zu erschießen. Ich wurde brutal gegen eine Mauer gestoßen. Dort stand ich mit erhobenen Händen und verstand die Welt nicht mehr.
Sollte alles - durch ein mir unbegreifliches Mißverständnis - nun zu Ende, aller Überlebenswille und alle Entbehrungen doch noch vergebens gewesen sein?
Da kam ein Offizier auf einem Fahrrad vorüber. Er hielt an, stieg ab und ging durch die Soldaten hindurch auf mich zu. Andere Soldaten umkreisten uns auf Fahrrädern, die sie irgendwo erbeutet hatten. Sie schienen mir wie Kinder, die sich an Nichtigkeiten erfreuen können, während es vor ihren Augen anderen an den Kragen geht.
Der Offizier war Jude. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Er fragte mich auf jiddisch, oh ich auch Jude sei. »Ja«, sagte ich, »ich bin Jude. Kein SS-Mann. Ich war versteckt . .« Ich stammelte in meiner Todesangst, denn von einem der mich Umzingelnden hatte ich Laute gehört, die wie »SS« klangen. Der Offizier blieb mißtrauisch. Er forderte mich auf unser Glaubensbekenntnis auf hebräisch aufzusagen. Ich sagte es auf und dabei war mir, als verstünde ich zum ersten Mal den Sinn: »Schma Jisroel, Adonaj Elauhenu, Adonaj echod - Höre, Israel, der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist einzig.«
Der Offizier schien bewegt. Er drückte meine Hand und blickte stumm zu Boden. »Du bist Jude«, sagte er nach einer längeren Pause »Du kannst gehen.«
»Mach den Stern ab«, sagte der Offizier noch
»Warum?«, fragte ich.
»Du hast Glück gehabt«. sagte mein Retter, »diese Division hat das Konzentrationslager Majdanek befreit. Da hatten einige Angehörig der SS-Wachmannschaften die »gelben Sterne« von den Häftlingskleidern abgenommen und sich selber angesteckt. Als wir das entdeckten, gab es einen Tagesbefehl: Jeder, der mit einem solchen Stern angetroffen wird, ist sofort zu erschießen«
Also wäre ich wirklich erschossen worden, wenn dieser jüdisch Offizier nicht hinzugekommen wäre. »Der Ewige ist unser Gott«, sagt ich gedankenverloren vor mich hin. »Der Ewige ist einzig.«
Ich steckte den Stern wieder in die Hosentasche und ging in meine Laubenkolonie zurück. Dort blieb ich nicht lange. Der Drang ins Freie zu den Menschen war übermächtig in mir geworden.

 

So überlebte Hans Rosenthal den Krieg . Er ging zum Rundfunk , er wollte freie politische Sendungen machen, aber es kam anders.

Hans Rosenthal erfreute uns Sendungen wie „Allein gegen Alle“ oder „Das Klingende Sonntagsrätsel ab März 1965. Wie oft machte ich damals mit, schrieb an die Deckadresse, aber ob je meine Karten angekommen sind. Ich weiß es nicht und werde es auch nie erfahren.

Dann kam das Fernsehen und ich sah ihn wieder, nicht mehr so schmächtig wie damals, etwas älter ausgereifter sah er aus, so stand er vor uns als sein „Dalli Dalli“ begann.

Wir sahen jede Folge von der Ersten bis zur Letzten. Es war für uns alle erschreckend als wir von seiner Krebserkrankung erfuhren. Er erholte sich noch etwas. Öffentlich sah ich ihn noch einmal bei einer Auszeichnung die er bekam. Ich weiß nicht mehr welche es war, er stand auf der Bühne, kurz nach seiner Magenoperation, er freute sich und sagte, ich höre es noch wie heute sinngemäß:

Ich freue mich über die Auszeichnung (ich nehme an es 1980 bei der Silbernen Kamera)

Nehme sie auch gern entgegen, hoffe aber das ich sie nicht wegen meiner Krankheit bekommen habe, deshalb hätte ich sie gern ein Jahr später bekommen. Dennoch ich freue mich aber sehr darüber. Wie Sie sehen habe ich etwas abgenommen ( er sah in der Tat wieder so aus wie damals 1958) und als ich nicht wusste was ich anziehen soll, einen neuen Anzug kaufen wollte ich nicht, der würde dann wieder herumliegen wenn ich wieder zugenommen habe. Und was tat meine Frau sie ging zum Schrank und holte meinen Anzug aus meinen jungen Jahren hervor, der wie Sie sehen hervorragend passt. Eine gute Frau hebt eben alles auf und wirft nichts weg.“  Er bekam natürlich viel Applaus dafür, welch ein großes Lob für seine Frau Traudl.

Am 10.2.1987 starb Hans Rosenthal und Berlin trauerte. Damals gab es nur das öffentlich rechtliche Fernsehen und keine Privaten. Die Welt hat sich weiter gedreht es ist alles hektischer, bunter und schriller geworden. Die Mauer fiel, wie hätte er sich darüber gefreut. Er wusste genau wie wir seine Sendungen ob Rundfunk oder Fernsehen verfolgen, er wurde in der DDR genauso geliebt wie in Westberlin. Ihm zum Andenken wurde 1993 die Kufsteiner Straße in Hans-Rosenthal-Platz umbenannt.

 

Wer von uns Berlinern wäre wohl damit nicht einverstanden?

Er war ein Berliner der von den Berlinern geliebt wurde und nie vergessen wird.

 

Quelle; Juden in Berlin 1933-1945 Beate Mayer/Hermann Simon  Verlag Philo

http://www.salvator.net/salmat/pw/pw1/2wk/rosen.htm

http://www.hans-rosenthal-stiftung.de/seiten/_hrosenthal.htm

 




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