briefeinertierfreu

Zurück

                 
Brief einer Tierfreundin
  
In den letzten Tagen durfte ich ganz massiv die Antwort auf eine in
  Tierschutzkreisen häufig gestellte Frage erleben! Die Frage, warum so viele
  Menschen lieber beim Züchter oder in der Zoohandlung ein Tier kaufen,
  anstatt sich ein Tier im Tierheim zu holen. Ich weiß jetzt, warum. Denn ich
  gehöre ab sofort auch zu "diesen" Menschen. 

 Ich bin total verärgert und genervt, fühle mich gedemütigt und bevormundet!
  Warum?

   2 Tage lang saß ich am PC, um auf den Homepages sämtlicher Tierheime
  Deutschlands nach einem passenden Hund für unsere Familie zu suchen. Unsere
  Familie umfasst ein Ehepaar und 5 Kinder, von denen keines grob zu Tieren
  ist. Alle 5 sind schon von klein auf mit Hunden vertraut (mindestens 2
  Freundinnen von mir haben Hunde, unter anderem Schäferhunde). Auch ich hatte
  schon einen Schäferhund und einen kleinen Tierheim-Mischling. 

  
Wir suchen eine liebe Hündin, ausgewachsen (gerne älter) und stubenrein,
  mittelgroß bis groß, die Rasse bzw. die Mischung ist egal, die "Chemie" muß
  stimmen. Sollte es dann zufällig eine Boxerhündin oder eine Golden
  Retriever-Hündin sein, wäre das natürlich doppelt toll. Die Hündin muß
  natürlich auf jeden Fall äußerst kinderlieb sein, sie soll mit anderen
  Hunden und mit Katzen gut verträglich sein und stundenweise alleine bleiben
  können (auch wenn Tierschutzorganisationen oft so überrascht tun: JA, es ist
  ein Problem, einen Hund zu haben, der nicht alleine bleiben kann!!!).

 Außerdem soll sie vom Typ her eine ruhige ausgeglichene und keine hektische
  Hündin sein, gerne auch schon kastriert. Wir sind zwar eine große Familie,
  das heißt aber nicht, dass es bei uns ständig laut und chaotisch zugeht! 

  
Vorzuweisen haben wir eine 165 qm grosse Wohnung und eine Bescheinigung
  unserer Vermieterin, dass sie mit der Haltung von Hunden und Katzen
  einverstanden ist. 

Leider haben wir KEINEN Garten, ohne den man schon fast 50% aller
  Tierheimhunde sowieso nicht bekommt. Wir selbst hätten auch gerne einen,
  z.B. auch für unsere Kinder. Doch wir leben auf dem Land, hier gibt es
  überall Felder, Wiesen und Wälder, und es ist ein leichtes, hier stundenlang
  in der Natur spazieren zu gehen. (Wissen Sie Tierschützer eigentlich, wie
  viele Hunde mit Haus und Garten nie spazieren gehen, nie den Kontakt zu
  Artgenossen aufbauen und pflegen können und überhaupt nie irgendwo mit
  hingenommen werden, weil es ja so viel leichter ist, einfach den Hund in den
  Garten zu lassen?)

  
Einige Hunde habe ich online gefunden, die absolut wunderbar zu uns gepasst
  hätten.

  
Eine Hündin davon vermittelte eine Tierschutzorganisation aus den
  nördlicheren Gefilden. Noch am gleichen Tag (02.01.04) erkundigte sich mein
  Mann telefonisch nach der Hündin. 

Nach etwa 20 Minuten Telefonat fiel der Dame vom Tierheim plötzlich ein, dass
  die von uns

 gewünschte Hündin ein eingezäuntes Grundstück benötigt und unsere Wohnung mit
  der "Natur um die Ecke" für diesen Hund doch nicht so geeignet ist. 

  
Am 03. Januar 2004 sind wir alle zusammen in ein Tierheim gefahren und wollten

 "mal gucken". Online hatte ich 4 Hunde für uns herausgesucht, für die wir uns
  interessierten. 

Die Kinder waren sehr aufgeregt und freuten sich genauso auf den
  Tierheimbesuch wie wir

 Erwachsenen. Und eines muß ich sagen:

  Noch nie sind wir irgendwo derart abfällig behandelt bzw. ignoriert worden.

 Kennen Sie das Gefühl, wenn jemand durch Sie hindurch oder über Sie hinweg
  sieht, und Sie möchten mit dieser Person sprechen, die Sie trotz längerem
  versuchten Blickkontakt über Minuten hinweg ignoriert? 

  
Wir haben das Tierheim betreten, eine Empfangshalle, in der mehrere
  Tierheim-Mitarbeiter

 miteinander redeten und die anwesenden Besucher abfertigten mit "Wenn Sie
  Hunde oder Katzen sehen wollen, muss ich sie gleich wieder in die Kälte
  schicken". 

Ach nein, eine Frage wurde doch direkt an uns gerichtet: "Gehören sie alle
  zusammen?" Auf ein "Ja" von uns kam dann direkt die Bemerkung: "Da brauchen
  sie aber ein robustes Tier". 

  
Da ich eine spezielle Anfrage bezüglich der im Internet herausgesuchten Hunde
  hatte, ging ich direkt zu der "Dame" am "Empfang". Einmal kurz schaffte sie
  es doch, mich wahrzunehmen, und sagte "Moment", dann redete sie wieder
  ungestört mit einer Kollegin weiter. Wir verließen ohne Informationen und
  ohne Hilfe den "Empfang", um alleine draußen herum zu laufen. In den meisten
  Zwingern war kein Hund, sicher waren sie fast alle in den Innenzwingern. Als
  wir alles gesehen hatten bzw. das meiste ja nicht sehen konnten, weil kaum
  ein Hund außen war, gingen wir wieder zurück in die "Empfangshalle" in der
  Hoffnung, es möge nun evtl. jemand auf uns zukommen und seine Hilfe anbieten
  bzw. bereit sein, unsere Fragen zu beantworten. Weit gefehlt. Eine Frau, die
  dem Anschein und dem Verhalten nach die Tierheimleiterin gewesen sein
  könnte, blaffte uns kurz zu, dass keine kindergeeigneten Hunde zur
 Vermittlung stehen würden, hätten sie sowieso sehr selten und wären dann
  wohl immer sehr schnell vermittelt. Meine schnell eingeworfene Frage nach
  den Online-Hunden tat sie ab mit "Homepage veraltet, Tiere längst
  vermittelt". Ein uns sympathischer Retriever-Mix, online angepriesen als
  Familienhund, sei für uns auch nicht gut, denn sie vermittele Rüden nie zu
  Kindern, wegen dem Dominanz-Verhalten. Damit wandte sie sich wieder jemand
  anderem zu. Das war ´s, kein Gespräch, kein nettes Wort, nichts. Und
  draußen, gegenüber der halbleeren Katzengehege, prangt ein großes Schild:  

Tierfreunde sind nette Menschen. 

Wie das wohl gemeint ist?

  
Mein Mann war heute das erste Mal in einem Tierheim, und nach diesem Erlebnis
  sagte er, dass er nie wieder eines betreten wird. Mir geht es genauso. 

  
Wenn man ein Tierheim-Tier haben möchte, wird man behandelt wie ein
  Verbrecher. 

  
Man bekommt den geballten Haß ab, den scheinbar viele Mitarbeiter im Tierheim
  auf die Menschen haben, weil sie so viele schlechte Menschen kennen gelernt
  haben, die Tiere misshandeln, aussetzen oder sonstiges. Das pure Misstrauen
  schlägt einem entgegen, so dass man sich wie ein Täter fühlt, ohne etwas
  getan zu haben. Bei vielen Tierfreunden scheint die Tierliebe die Achtung
  vor Menschen auszuschließen. Das ist zwar sicherlich durch bestimmte
  Erfahrungen verständlich, aber in Ordnung ist es nicht. Denn nicht jeder
  Mensch ist ein Täter. 

  
Wir haben nun in den letzen beiden Tagen Online-Selbstauskünfte ausgefüllt,
  unsere Vermieterin hat eine Erlaubnis zur Tierhaltung unterschrieben, wir
  sind eine tierliebe Familie und möchten einfach einem lieben Hund ein neues
  Zuhause schenken. 

  
ch denke, dass es bereits vielen Tierfreunden so ergangen ist wie uns. Viele
  Tierheim-Mitarbeiter, Tierschützer und alle anderen Menschen, die mit der
  Vermittlung von Tieren zu tun haben, haben das von mir geschriebene
  vielleicht noch nie gesagt bekommen und sich daher auch noch nie Gedanken
  darüber machen können. Daher tue ich hiermit meinen Groll kund, der noch
  ganz frisch und präsent ist und versuche trotzdem, sachlich zu schreiben,
  ohne jemanden direkt anzugreifen oder unfreundlich zu werden. Vielleicht
  bewirkt es ja, dass der ein oder andere Tierfreund, der ein Tier aus dem
  Tierheim aufnehmen möchte, netter und entgegenkommender behandelt wird?

  
Damit wir uns nicht länger schlecht und wie Verbrecher fühlen müssen, schauen
  wir ab sofort 

in die Tageszeitung und kaufen einen Hund aus Privathand.

  
 Oder haben Sie eine bessere Idee? 

  
Zusatz: Die geschilderten Erlebnisse betreffen nicht dieses Tierheim!

 Angreifen möchte ich kein spezielles Tierheim außer natürlich das, in dem wir
  wie geschildert behandelt worden sind. Und alle über einen Kamm scheren
  möchte ich auch nicht, 

eher ein bisschen wachrütteln und einen Denkanstoß geben. Bekanntermaßen kann
  man sich nur ändern, wenn man weiß, was man falsch macht. Und so lange man
  nicht gesagt bekommt, was nicht in Ordnung ist, denkt man, man mache ja
  alles richtig. Da ich ja nicht weiß, welches Tierheim bundesweit sich nett
  oder eher unfreundlich verhält, muß ich es jedem Tierheim selbst überlassen,
  sich diesen Schuh anzuziehen oder eben nicht ;-)

   Das betreffende Tierheim hat eine persönliche Mail erhalten (die anders
  lautet als der "Brief einer Tierfreundin") und die Hauptgeschäftsstelle
  dieses Tierheimes ebenfalls, es weiß also, wer gemeint ist.

 Danina



Kostenlose Homepage von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!